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Nutzen 01/2020 Ausgabe NordOst

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Wir hoffen, dass Ihnen die zwölfte Ausgabe des Magazins der Druck- und Medienverbände gefällt und es Ihnen NUTZEN bringt. Möchten Sie uns Feedback geben, Kritik äußern oder Anregungen mitteilen? Schreiben Sie uns an nutzen@vdmno.de Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldungen!

Wenn die Abstimmung

Wenn die Abstimmung zwischen Proof und Druck nicht gelingt Bei der Farbabmusterung im Drucksaal spielt das installierte Licht eine ganz entscheidende Rolle. Wie entscheidend, das zeigt sich oft erst, wenn es zu Problemen kommt. Beispielsweise, wenn Proof und Auflagendruck am Abstimmplatz nicht in Einklang zu bringen sind. Erfahren Sie in diesem Artikel, worauf es ankommt und was Sie tun können. Der ProzessStandard Offsetdruck gemäß ISO 12647 dürfte jedem Offsetdrucker ein Begriff sein, denn ob zertifiziert oder nicht: an die Standard-Vorgaben dürfte sich so ziemlich jedes Druckunternehmen orientieren, denn sonst würden die ICC-Profile nicht funktionieren, ebenso wenig die Druckvorlage über einen normgerechten Prüfdruck. Typische Beleuchtungssituation in einem Drucksaal. Die Leitstände sind mit D50 Normlicht ausgestattet, hinzu kommt natürliches und künstliches Umgebungslicht. VIII // 01/2020

Doch der PSO ist eingebettet in eine ganze Familie von weiteren Standards, ohne die das ganze Ökosystem nicht funktionieren würde. Zu nennen sind hier insbesondere die ISO 13655-2009 für die Messtechnik sowie die ISO 3664-2009, die die Abmusterungsbedingungen beschreibt. In der grafischen Industrie gilt das Normlicht D50 als Referenz für die Abmusterung. Bei D50 handelt es sich um ein idealisiertes Licht, das dem natürlichen Tageslicht nahekommt und durch eine Farbtemperatur von 5000 Kelvin gekennzeichnet ist. Das heißt: die Abmusterung von Druckproben soll unter D50-Normlicht vergleichbar sein mit der Abmusterung unter natürlichem Tageslicht. Auch die Lichtquelle eines “Spektralfotometers soll D50 entsprechen und somit gleich beschaffen sein wie das Licht, unter dem visuell abgemustert wird [Abb. 1]. Nur so lässt sich die Farbmessung und die Farbempfindung in Einklang bringen. Selbstverständlich ist das Spektrum einer Lampe messbar, was die Grundlage einer jeden Problemanalyse ist, wenn es zu Abweichungen bei der visuellen Abmusterung kommt. Wie wird eine Lichtquelle gemessen? Für die qualitative Beurteilung einer Lichtquelle ist ein geeignetes Messgerät nötig. Die im Drucksaal etablierten Messgeräte sind für diese Disziplin jedoch selten geeignet. Für das weit verbreitete i1 Pro aus dem Hause X-Rite ist im Lieferumfang zwar ein Diffusor-Aufsatz enthalten, der für die Messung einer Lichtquelle gedacht ist. Jedoch kann das Messgerät ein Lichtspektrum nur in Schritten von 10nm abtasten, was angesichts der schmalbandigen Peaks von Leuchtstoffröhren zu großen Ungenauigkeiten führen kann. Unter den Spektralfotometern ist nur das FD-7 aus dem Hause Konica Minolta in der Lage, ein Lichtspektrum ausreichend genau zu messen. Sonst ist dafür ein spezialisiertes Messgerät notwendig, beispielsweise das Spectis von GL Optic oder das CL-500A von Konica Minolta. Die Anschaffung solcher Messgeräte lohnt sich jedoch für Druckereien nur in den seltensten Fällen. Kommt es also zu Problemen bei der Abmusterung im Drucksaal, bei denen das Licht im Verdacht steht, dann muss in der Regel ein externer Dienstleister oder der Hersteller beauftragt werden, der über ein solches Messgerät verfügt. Der Farbwiedergabeindex: ein Qualitätsmerkmal von künstlichem Licht gegenüber natürlichem Licht Im Drucksaal werden üblicherweise (noch) Leuchtstoffröhren eingesetzt. Eine schwer lösbare Aufgabe ist es, angesichts der höchst unterschiedlichen Spektralkurven einer Leuchtstoffröhre und des Tageslichts, zu einer gleichen Abmusterung unter beiden Lichtarten zu kommen. Eine Leuchtstoffröhre beinhaltet Gase, die Licht emittieren. Außerdem ist die Innenseite der Abb. 1: Die Lichtquelle eines Spektralfotometers orientiert sich ebenso an dem idealisierten D50, wie die für den Einsatz in der grafischen Industrie entwickelten Normlichtröhren gemäß ISO 3664-2009. Somit korrelieren Farbmessdaten mit der menschlichen Farbwahrnehmung unter Normlicht D50. Röhre mit einem Leuchtstoff beschichtet, dessen Beschaffenheit über das Spektrum des emittierten Lichts entscheidet. Technologiebedingt ist das Spektrum einer Leuchtstoffröhre nicht so gleichmäßig wie das Spektrum des natürlichen Tageslichts. Es ist durch deutliche Peaks gekennzeichnet, die durch die Lichtemission der Gase (Quecksilber) entstehen [Abb. 3]. Eine Kenngröße für die Vergleichbarkeit bei der Abmusterung unter Kunstlicht im Vergleich zum Tageslicht ist der sog. allgemeine Farbwiedergabeindex R a . Gilt es, die Qualität einer solchen Lichtquelle im Drucksaal im Vergleich zum Tageslicht zu beurteilen, ist der Farbwiedergabeindex eine wichtige Kenngröße. Wird das Spektrum einer Kunstlichtquelle gemessen, so kann man über mathematische Verfahren die Remissionskurve von bekannten Farben ermitteln und diese mit denen des Referenz-Normlichts vergleichen. Die DIN hat dafür 14 Testfarben definiert [Abb. 2]. Der allgemeine Farbwiedergabeindex R a wird aus den einzelnen Farbwiedergabeindizes R i der ersten acht Testfarben berechnet. Bei Leuchtmitteln für die grafische Industrie soll ein Wert größer 90 erreicht werden. Dieser arithmetische Mittelwert kann jedoch auch dann erreicht werden, wenn ein einzelner Farbindex abfällt oder bei einer der Testfarben 9 bis 14 feststellbar ist. Bei einer jüngst durch den Verband durchgeführten Lichtbeurteilung in einer Druckerei konnte dies für die Testfarbe 9 festgestellt werden, einem gesättigten Rot [Abb. 2]. Es wurde dort empfohlen, das Leuchtmittel zu wechseln. Metamerie und Metamerieindex: nun wird’s kompliziert Wenn Sie zwischen Proof und Druck keine gute Übereinstimmung erzielen können, dann wäre die naheliegendste Vermutung, dass Proof oder Druck, oder beides, die PSO-Kriterien möglicherweise nicht gut genug einhalten. Kann dies jedoch ausgeschlossen wer- 01/2020 // IX

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