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Nutzen 01/2020 Ausgabe NordOst

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Wir hoffen, dass Ihnen die zwölfte Ausgabe des Magazins der Druck- und Medienverbände gefällt und es Ihnen NUTZEN bringt. Möchten Sie uns Feedback geben, Kritik äußern oder Anregungen mitteilen? Schreiben Sie uns an nutzen@vdmno.de Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldungen!

Jahresurlaub – Das

Jahresurlaub – Das gilt es zu beachten! Während des laufenden Arbeitsverhältnisses stellt sich für Arbeitgeber und Arbeitnehmer zum Jahreswechsel häufig die Frage, was passiert mit meinem Resturlaub. Um Klarheit rund um den Urlaub zu bringen haben wir einige Fakten für Sie zusammengetragen. Sollten Ihre Fragen durch die nachfolgenden Informationen nicht beantwortet werden – greifen Sie zum Telefon und rufen uns an. Wann und warum verfällt der Anspruch auf Urlaub? Nach dem Bundesurlaubsgesetz muss der Urlaub des Arbeitnehmers bis zum Ende des laufenden Kalenderjahres genommen und auch gewährt werden. Gibt es aber dringende betriebliche Gründe oder Gründe, die beim Arbeitnehmer liegen, dann kann der Urlaub bis zum 31. März des Folgejahres übertragen werden. Verfällt der Urlaub bei Krankheit? Diese gesetzliche Regelung wird von der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs und des Bundesarbeitsgerichts für den Fall einer Langzeiterkrankung konkretisiert. Auch ein erkrankter Arbeitnehmer erlangt seinen vollen Urlaubsanspruch, selbst wenn er wegen seiner Arbeitsunfähigkeit keinen einzigen Tag im Jahr gearbeitet hat. Foto: AdobeStock_156638600.jpeg XIV // 01/2020

Die Rechtsprechung hatte hierzu zunächst entschieden, dass Urlaubsansprüche eines arbeitsunfähigen Arbeitnehmers, der seinen Urlaub auch nicht im Übertragungszeitraum zum 31. März nehmen kann, nicht verfallen. Um die Arbeitgeber jedoch nicht vor die Problematik – die auch von der Rechtsprechung erkannt wurde – zu stellen, einem Arbeitnehmer der über Jahre arbeitsunfähig war auf einmal seinen gesamten Urlaub für die Vergangenheit gewähren zu müssen, hat die Rechtsprechung ihre ursprüngliche Ansicht korrigiert und geht nunmehr von einem Verfall des Urlaubsanspruchs aus. Jedoch verfällt der Urlaub erst 15 Monate nach Beendigung des Urlaubsjahres. Dass bedeutet, dass der Urlaub eines Arbeitnehmers, der das ganze Jahr 2019 arbeitsunfähig erkrankt war, erst am 31. März 2021 verfällt. Kein Verfall des Urlaubs ohne Hinweis des Arbeitgebers! Bis vor Kurzem ist die Rechtsprechung noch davon ausgegangen, dass der Urlaubsanspruch eines Arbeitnehmers der seinen Urlaub weder im laufenden Jahr noch im Übertragungszeitraum genommen hat, automatisch verfällt. Dies hat der Europäische Gerichtshof jedoch verneint. Er entschied zuletzt, dass es rechtswidrig ist, dass ein Arbeitnehmer seinen Urlaubsanspruch verliert, bloß weil er keinen Urlaubsantrag eingereicht hat. Insoweit hat der EuGH ausgeführt, der Arbeitgeber hat: „… konkret und in völliger Transparenz dafür zu sorgen, dass der Arbeitnehmer tatsächlich in der Lage ist, seinen bezahlten Jahresurlaub zu nehmen, indem er ihn – erforderlichenfalls förmlich – auffordert, dies zu tun, und ihm, damit sichergestellt ist, dass der Urlaub ihm noch die Erholung und Entspannung bieten kann, zu denen er beitragen soll, klar und rechtzeitig mitteilt, dass der Urlaub, wenn er ihn nicht nimmt, am Ende des Bezugs- oder eines zulässigen Übertragungszeitraums oder am Ende des Arbeitsverhältnisses, wenn dies in einen solchen Zeitraum fällt, verfallen wird.“ Der Arbeitgeber muss deswegen nachweisen, dass er seinen Mitarbeiter angemessen aufgeklärt und in die Lage versetzt hat, den Urlaub zu nehmen. Arbeitgeber sollten also künftig rechtzeitig schriftlich darauf hinweisen, dass der Urlaub bis zum 31. Dezember oder bis zum Ende des Übertragungszeitraums in vollem Umfang genommen werden muss und die Urlaubsgewährung anbieten. Es empfiehlt sich daher jedem Arbeitnehmer zu Beginn eines jeden Jahres schriftlich über die Höhe / Dauer seines gesamten Urlaubsanspruchs (auch aus dem Vorjahr) zu informieren und darauf hinzuweisen, dass der Urlaub aus dem Vorjahr verfällt, wenn er nicht bis zum 31. März des laufenden Jahres genommen wird und der Urlaub aus dem laufenden Jahr ebenfalls verfallen wird, wenn er nicht bis zum 31. Dezember des Jahres genommen wird. Die Wiederholung des Hinweises zum Ende eines jeden Jahres ist ebenfalls empfehlenswert. Die Hinweise sollen auch rechtzeitig erfolgen, damit die Arbeitnehmer überhaupt noch die Möglichkeit haben ihren Urlaub anzutreten, z. B. also am 31. Januar und am 30. September. Ob dieser Hinweis auch einem Langzeiterkranktem der sich überhaupt nicht im Betrieb aufhält und seinen Urlaub gar nicht nehmen kann, weil er z. B. eine befristete Erwerbsminderungsrente bezieht, gegeben werden muss, ist gerichtlich bislang noch nicht geklärt. Es empfiehlt sich daher derzeit auch Langzeiterkrankte zu informieren. Der Arbeitgeber muss beweisen, dass er seine Arbeitnehmer vollständig und rechtzeitig informiert hat. Somit sollte er den Arbeitnehmern ein Schriftstück aushändigen und von diesem ein Doppel mit Empfangsbestätigung durch den Arbeitnehmer zur Personalakte nehmen. Kann der Unternehmer den Urlaub eines Arbeitnehmers kürzen? Hier sind zwei Konstellationen denkbar. Zunächst ist es möglich den Urlaubsanspruch eines sich in der Elternzeit befindlichen Arbeitnehmers um 1/12 des Jahresurlaubs für jeden vollen Monat der Elternzeit zu kürzen, sofern der Arbeitnehmer keine Teilzeittätigkeit während der Elternzeit bei dem Arbeitgeber ausübt. Beginnt die Elternzeit z. B. am 15. März kann für diesen Monat keine Kürzung vorgenommen werden. Die Kürzung muss dem Arbeitnehmer bekannt gegeben werden und sie muss während des bestehenden Arbeitsverhältnisses vorgenommen werden. Auch der Urlaubsanspruch eines erkrankten Arbeitnehmers kann gekürzt werden, wenn er mindestens einen Monat und länger arbeitsunfähig war. Die Kürzung ist jedoch grundsätzlich nur bis zum gesetzlich geregelten Mindesturlaub möglich. Ein darüberhinausgehender tariflich geregelter oder einzelvertraglich vereinbarter Mehrurlaub kann ebenfalls nach der 1/12 Methode gekürzt werden, wenn dies im Tarifvertrag vorgesehen ist oder einzelvertraglich so vereinbart wurde. Unsere neuen Arbeitsverträge für Betriebe ohne Tarifbindung sehen die Kürzungsmöglichkeit vor. 01/2020 // XV

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Nutzen 01/2020 Ausgabe NordOst
Nutzen 4-2019 vdmno