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NUTZEN 02/2022 Ausgabe NordOst

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NUTZEN heißt die gemeinsame Publikation der Verbände Druck und Medien. Vier Mal im Jahr bieten wir Ihnen Informationen über unsere Branche sowie Themen, die die Druck- und Medienverbände im Namen und im Auftrag ihrer Mitglieder bearbeiten. Gleichzeitig liegt uns daran, Ihnen aufzeigen, welchen Stellenwert Print in unserem Leben einnimmt. Denn kein Wirtschaftszweig, keine politische Organisation, kein privater Haushalt kommt ohne Druckerzeugnisse aus. Und die Innovationskraft der Betriebe, ihre Flexibilität und ihr Engagement in der Nachwuchsausbildung sorgen dafür, dass die Druck- und Medienwirtschaft zu den modernsten Industriezweigen weltweit gehört. In Ausgabe 02/2022 mit dem Titel "WER NICHT WIRBT, STIRBT" lesen Sie u.a.: DRUCK AUF BERLIN UND BRÜSSEL Regeln für Druckfarben EU-weit klären DIE PROFIS Printmailings: Kraftvoll und kreativ DER NUTZEN Wenn Zeitschriften zum großen Kino werden DIE FIRMA Gesucht – gefunden: Mit der passenden Software erfolgreich WIRTSCHAFT Energiepreise und Lieferengpässe Im Lokalteil NordOst erwartet Sie u.a.: 50 JAHRE GÖBEL + GRÖNER Eine Erfolgsgeschichte aus Berlin BRANCHENTALK Interview mit Stefan Sander, Die Druckmacher VR BUSINESS CLUB Best Practices für AR/VR/MR veröffentlicht NEUES VOM VDMNO Bericht von der Vorstands- und Beiratssitzung; Neue Geschäftsstelle Berlin Möchten Sie uns Feedback geben, Kritik äußern oder Anregungen mitteilen? Möchten Sie Ihr Unternehmen auch im NUTZEN präsentieren? Schreiben Sie uns an nutzen@vdmno.de!

„In Werbung für das

„In Werbung für das klassische Geschäft investiere ich nicht mehr“ BRANCHENTALK Im Jahr 1996 gründete Stefan Sander „Die Druckmacher“ – eine kleine, aber feine Druckerei in Oldenburg. Ebenso lang ist das Unternehmen Mitglied im Verband Druck und Medien. Philipp von Trotha traf ihn auf ein Wort über Chancen und Herausforderungen für kleinere Druckereien – besonders unter den aktuell schwierigen Rahmenbedingungen. Herr Sander, was macht Ihr Unternehmen einzigartig? Wir sind besonders für KMU Problemlöser in ganz vielen Bereichen. Ob Lettershop, Satz oder Websites, ob Digital- oder Offsetdruck – wir machen alles hier an einem Standort in Oldenburg. Unser jüngstes Standbein sind spezielle Haftnotizen. Letzteres hat sich durch eine Anfrage der privaten Postdienste ergeben – eine bedruckte Haftnotiz, die es bis dahin nirgendwo gab. Es geht dabei u. a. um sehr große Leimflächen. Wir haben Einiges in die Entwicklung des Produktes investiert, z. B. haben wir eine spezielle Beleimung des Papiers entwickeln lassen und dann in Zusammenarbeit mit einem Spezialisten aus der Schweiz viel Trial & Error betrieben, um dieses Papier zu bedrucken. Im Ergebnis konnten wir ein exklusives Produkt entwickeln, woraufhin wir Verträge schließen konnten. Somit kam unser Angebot mit den Haftnotizen sehr gut ins Rollen. Wie sind Sie durch die Pandemie gekommen? Durch das erste Jahr sind wir sehr gut gekommen, auch dank der bereit gestellten Instrumente – die Überbrückungshilfen und Kurzarbeit. Das zweite Jahr gestaltete sich finanziell deutlich schwieriger. Das Jahr 2022 läuft bisher wirklich vielversprechend, wir sind optimistisch. Was sind aktuell die größten Herausforderungen für Sie? Unsere größte Herausforderung aktuell ist der rückläufige Kleinoffset. Die Pandemie war ein Booster für die Digitalisierung – die papierlose Arbeit hat nach unserem Empfinden deutlich zugenommen. Bei Briefbogen zum Beispiel merken wir das sehr deutlich. Ungefähr 30 Prozent unseres Portfolios sind von der fortschreitenden Digitalisierung stark betroffen. Erschwerend kommen die explodierenden Materialpreise hinzu. Der Preis ist für Druckerzeugnisse ein noch entscheidenderes Kriterium für die Beauftragung geworden – der billigste Anbieter hat häufig die Nase vorn. Wir merken, dass viele Anfragen gestellt werden, um Preise zu vergleichen. Was zu einem noch intensiveren Preiskampf unter den Druckereien führt. Haben wir die kaputten Preise am Markt vielleicht auch selbst zu verantworten? Die schlechten Preise am Markt sind kein Wunder. Wir haben eine ständig steigende Produktivität in der Branche. Die Maschinen werden immer schneller. Wenn wir jährlich von nur drei Prozent Produktivitätssteigerung ausgehen, dann wirkt sich das im Laufe der Jahre aus – was wir seit geraumer Zeit spüren. Die Folge sind zu niedrige Auslastungen, ein abermals erhöhter Preisdruck und die Situation, dass Betriebe die Maschinen einfach laufen lassen, bevor sie gar nichts produzieren. Ein Teufelskreis. Müssten Druckereien nicht eher in den Vertrieb investieren, als in schnellere Druckmaschinen? Nun, Druckereien investieren ja nicht gezielt in schnellere Maschinen. Eine neue Maschine ist per se einfach schneller als das Vorgängermodell, und zwar wesentlich. Und gerade im Digitaldruck wird ja die Maschinentechnik alle paar Jahre ausgetauscht, allein schon wegen der Serviceverträge. Mit welcher Strategie investieren Sie? Eher in Maschinentechnik oder in neue Geschäftsfelder? In Werbung für das klassische Standard- Geschäft von früher investiere ich nicht mehr. Diese Aufträge landen mit großer Wahrscheinlichkeit früher oder später im Internet oder werden digitalisiert. Aber ich investiere in Produkte, die weniger von der Digitalisierung betroffen sind – wie eben die Haftnotizen. Diese werden häufig physikalisch eingesetzt und sind in Prozesse eingebunden. Wir haben einige Spezialprodukte in diesem Bereich, auch ein Patent. Das ist ein kleiner Markt, für den man spezielle Maschinen braucht. Wir investieren in solche Produkte und in die zugehörigen Online-Shops. Große Online-Druckereien können diese nicht selbst produzieren, sondern bestenfalls zukaufen. Im Preiswettbewerb können wir bei diesen Produkten gut bestehen. Empfinden Sie die Digitalisierung eher als Chance oder als Risiko? Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten, denn es kommt auf die Perspektive IV BRANCHENTALK

an. Unsere eigene Digitalisierung wird unseren Vertrieb stärken. Das ist die positive Seite. Die fortschreitende Digitalisierung unserer Kunden jedoch macht unsere Verbrauchsartikel zunehmend überflüssig. Entstehen durch die Digitalisierung nicht auch neue Produkte? Natürlich, und zwar ständig. Wir drucken z. B. jedes Jahr Millionen Blätter für einige große Kunden, die ihre Akten damit digitalisieren. Insgesamt kommen aber weniger neue Produkte dazu, als auf der anderen Seite wegfallen. Ich glaube, dass wir in der Branche auch weiter drucken werden, aber es werden weniger Betriebe und weniger Mitarbeiter dafür benötigt. Wie gehen Sie mit den vielen Preissteigerungen um? Wir erreichen auf jeden Fall einen Punkt, bei dem Kunden nicht selten aussteigen und auf Druckprodukte verzichten und rein digitale Ersatzlösungen schaffen. Auch wir haben empfindliche Einschnitte hinnehmen müssen. Nicht, weil wir den Kunden verloren haben, sondern weil wir das Produkt verloren haben. Wir geben alle Preissteigerungen weiter. Und glücklicherweise stellen wir eine nicht allzu ausgeprägte Gegenwehr fest. Denn offenbar ist jedem bewusst, dass die Preise überall steigen und Lieferketten unterbrochen sind. Das macht es uns zwar einfacher, aber wir müssen auch aufpassen, dass Produkte nicht gänzlich wegrationalisiert werden. Streben Sie über Digitalisierung gezielt eine Effizienzsteigerung Ihrer Prozesse an? Das ist bei uns kaum möglich. Bei einer Druckerei, die durchweg in 4c druckt, mit hochvernetzten Maschinen, dort mag ein großes Potenzial darin liegen. Unsere Arbeit hingegen hat noch einen handwerklichen Charakter, wir arbeiten beispielsweise viel mit Sonderfarben. Für handwerkliche Produkte sind Kunden auch bereit, Geld auszugeben. Das sind häufig kleinere Unternehmen, die sich ein exklusives und handwerklich hergestelltes Produkt auch leisten wollen. In diesem Bereich können wir kaum auf Standardisierung setzen. Prozesse über Automatisierung effizienter zu machen, dafür braucht es ein begrenztes Portfolio an Materialien und ähnliche Produktionsschritte. Bei uns ist das am ehesten bei den Haftnotizen der Fall. Wie ist das Verhältnis zwischen Digitalund Offsetdruck? Vor 15 Jahren hatten wir nur 10 Prozent Digitaldruckanteil. Etwa 2017 hatten wir erstmalig einen höheren Anteil im Digitaldruck als im Offsetdruck. Dann kamen die Haftnotizen von der Rolle dazu. Heute haben wir ein ausgeglichenes Verhältnis von jeweils etwa einem Drittel bei den drei genannten Produktionsverfahren. Wobei kann Sie der Verband aktiv unterstützen? Wir sind jetzt 25 Jahre lang Mitglied im Verband. Wir wissen, wen wir bei welchen Fragen anrufen dürfen. Und wenn ich eine Frage habe, dann rufe ich auch einfach an. Über den Verband können wir Druckunternehmer zusammenrücken – und dies würde ich mir auch wieder verstärkt wünschen. Ich erinnere mich beispielsweise an die Seminare für Jungunternehmer. Das war ein tolles Format und hat alle, die seinerzeit dabei waren, zusammengeschweißt. Was glauben Sie, wo die Druckindustrie in 10 Jahren stehen wird? Einerseits bin ich der festen Über zeugung, dass Druckprodukte weiterhin gebraucht und hergestellt werden. Andererseits gehe ich leider davon aus, dass das Geschäft für Kleinstbetriebe mit ganz wenigen Beschäftigten extrem hart wird. Die Anforderungen von Kundenseite werden für alle anspruchsvoller – auch als Kleinstbetrieb wird man sehr vieles anbieten müssen. Das ist mit einem sehr kleinen Team kaum zu stemmen. Möglicherweise sind Kleinstbetriebe mit einem überschaubaren Leistungsportfolio dann kein interessanter Partner mehr. Etwas größere Betriebe mit mind. zehn Beschäftigten haben sicher eine Chance, OBEN Seit 1996 im Geschäft: Stefan Sander (rechts) aber sie müssen eine Nische besetzen. Das Massengeschäft wird sich weiterhin zu den großen Druckfabriken verlagern. Und welche langfristige Vision existiert für Ihr Unternehmen? Ich möchte zu den Betrieben gehören, die es schaffen, mit ihrer Spezialisierung erfolgreich zu sein und trotzdem noch breit genug aufgestellt zu sein, um alle erforderlichen Teilprodukte selber herstellen zu können. Da sind wir auf einem guten Weg. Im Idealfall kann ich mich irgendwann aus dem Geschäft zurückziehen und habe das Unternehmen so aufgestellt, dass ich es bestens gewappnet übergeben kann. Ich gehe davon aus, dass die Firma dann verkauft wird, da es aus der Familie keinen Nachfolger geben wird. Das Interview führte Philipp von Trotha V