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NUTZEN 03/2020 Ausgabe NordOst

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Wir hoffen, dass Ihnen auch die neue Ausgabe des Magazins der Druck- und Medienverbände wieder gefällt und es Ihnen NUTZEN bringt. Im Zentrum steht diesmal die Nachhaltigkeit. Der Printausgabe sind neben einem Plakat zum Thema Umwelt. Bewusst. Gedruckt. auch die neue Broschüre des CO2-Rechners beilegt. Unseren Mitgliedsunternehmen haben wir noch einen Fächer mit 16 Argumenten für Print beigelegt. Möchten Sie uns Feedback geben, Kritik äußern oder Anregungen mitteilen? Schreiben Sie uns an Nutzen@vdmno.de Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldungen!

NUTZEN

NUTZEN DIE PROFIS Massendrucksachen und Nachhaltigkeit: kein Widerspruch Die Fr. Ant. Niedermayr GmbH & Co. KG in Regensburg setzt mit ihrem Maschinenpark auf hohe Kapazität und hohe Produktivität. Wie eine hocheffiziente, industrielle Fertigung auch umweltverträglich und nachhaltig möglich ist, verrät der geschäftsführende Gesellschafter, Johannes Helmberger, im Gespräch mit dem NUTZEN. Bei 5 Mio. bedruckten Seiten pro Stunde ist nachhaltiges Produzieren eine echte Herausforderung. 24 // 03/2020

NUTZEN DIE PROFIS Es muss im Jahr 2014 gewesen sein, erzählt Johannes Helmberger, als das Thema Umweltschutz verstärkt im allgemeinen Bewusstsein ankam und auch er als Liebhaber schneller Autos sich erstmals ernsthaft damit auseinandersetzte, ein Hybrid-Fahrzeug zu kaufen. Seither hat sich auch in seinem Unternehmen viel getan. „Umweltschutz ist mittlerweile eine zentrale Säule unserer Unternehmensstrategie. Als Hersteller von Massendrucksachen sehen wir uns heute in der gesellschaftlichen Verantwortung, unsere Produktion nachhaltig zu gestalten“, beschreibt Helmberger das Selbstverständnis seines Unternehmens. Dieses gehört zu den führenden Heatset-Druckereien Europas und ist spezialisiert auf tagesaktuelle Beilagen in höchsten Auflagen und umfangreiche Kataloge. Mit einem beeindruckenden Maschinenpark mit zwei 96/120-Seiten-, einer 80-Seiten- und einer 16- Seiten-Rollenoffsetmaschine bedruckt das Unternehmen rund 100.000 Tonnen Papier im Jahr. Komplett klimaneutral bis 2021 Bei Niedermayr sei es schon immer strategisches Ziel gewesen, Prozesse permanent nach ihrer ökonomischen Effizienz zu überprüfen. In der Zwischenzeit wurde das auch auf die ökologische Komponente erweitert. „Wir mussten uns hierbei nicht neu erfinden, sondern haben nur unseren Blickwinkel erweitert“, erklärt Helmberger. Das Unternehmen möchte bis 2021 komplett klimaneutral sein und dabei alle direkten und indirekten Emissionen nicht nur kompensieren, sondern reduzieren und möglichst vermeiden. Im Frühjahr 2020 wurde auf dem Dach des Unternehmens ein Sonnenkraftwerk in Betrieb genommen. Die Anlage besteht aus 5.000 Photovoltaik-Modulen, die 1.500.000 kWh Strom pro Jahr regenerativ für den Eigenverbrauch erzeugen. „Künftig werden wir etwa zehn Prozent unseres Bedarfs mit diesem Strom decken können, der restliche Strombedarf wird mit 100-prozentigem Einsatz von Ökostrom gedeckt“, ist Helmberger stolz. Die Energiekosten sind ein Thema, das Helmberger besonders umtreibt: „Die Kosten für energieintensive Unternehmen unserer Branche sind schon enorm hoch und sie werden weiter steigen. Wenn ich dann auf meinen eigenerzeugten Strom, den ich selbst verbrauche, noch 40 Prozent EEG-Zuschlag zahlen muss, dann ist das schon eine unnötige Belastung. Auch eine AfA Zeit von 20 Jahren auf PV-Anlagen sind für die geplante Energiewende nicht förderlich!“ Zertifizierungen sind wichtige Bausteine für Weiterentwicklung Bereits im Jahr 2016 wurde Niedermayr als eine der ersten deutschen Rollenoffsetdruckereien mit dem Umweltzeichen „Blauer Engel“ zertifiziert. Die bereits vorhandenen ISO-Zertifizierungen für Energie und Umweltmanagement lieferten die Basis dafür. Anschließend wurden auch die Produktionsprozesse neu standardisiert und zusätzlich alle Produktions- und Energiedaten in ein Datenbanksystem eingespeist, um in Echtzeit alle Unternehmensprozesse analysieren und visualisieren zu können. „Durch die Analyse unserer eigenen Werte und auch den Vergleich mit dem Wettbewerb wollen wir uns permanent verbessern. Dass wir dies nun auch in einer EMAS-Zertifizierung dokumentieren, ist die logische Konsequenz unseres Ansatzes.“ Die dort ermittelten Zahlen seien für das Unternehmen hochinteressant und würden den Blick weiten und die Perspektive ändern. Eigene Abteilung F & E für Themen Umwelt und Effizienz Helmberger ist davon überzeugt, dass sich trotz des hohen finanziellen und personellen Einsatzes der Aufwand auszahlt: „Wir haben bei allen Zertifizierungen viel gelernt und konnten unsere Abläufe immer weiter verbessern. Mittlerweile haben wir eine eigene Abteilung dafür eingerichtet, denn diese Aufgaben sind nicht mehr nebenbei zu bewältigen.“ So kümmern sich heute zwei Mitarbeiter um die Themen Zertifizierung und Umwelt und weitere zwei Mitarbeiter um die Themen Effizienz und Digitalisierung. Möglichst immer einen Schritt voraus Heute ist die Druckdienstleistung schon längst nicht mehr der einzige Schwerpunkt des Unternehmens. „ Unser Unternehmen entwickelt sich zu einem universellen vernetzten Produktionsunternehmen. Nachhaltigkeit und Effizienz spielen hier eine ganz zentrale Rolle“, so Helmberger. „Wir sehen uns schon lange nicht mehr als Druckerei, sondern als informationsverarbeitendes Unternehmen, und unser Hauptausgabeschwerpunkt ist aktuell Druck. Ich habe aber auch kein Problem damit, die Druckmaschinen abzubauen und unsere Hallen ander weitig zu nutzen.“ Was dort dann zukünftig entstehen könnte, das weiß Johannes Helmberger noch nicht genau. Er ist sich jedoch sicher: „Uns gibt es seit 1801 – uns ist also immer wieder etwas Neues eingefallen.“ 03/2020// 25