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NUTZEN 03/2021 Ausgabe NordOst

Hier halten Sie digital die neuste Ausgabe des Magazins der Druck- und Medienverbände in den Händen! Die Mainstory dreht sich um die Bundestagswahl. Anschließend folgen wie gewohnt die Rubrik “Print kommt an” und drei Firmenporträts, die unter den Stichworten “Der Nutzen”, “Die Firma” und “Die Profis” Unternehmen aus der Mitgliedschaft vorstellen. Die Profis sind in dieser Ausgabe "Das UmweltDruckhaus" aus Langenhagen. Wir stellen Thomas Rätzke und sein Team vor. Auch die Bilderstory “Unterwegs mit …” nimmt das Thema Wahlen auf. Wir haben unserem Mitgliedsunternehmen "Verlagshaus Stadthagen" über die Schulter geblickt. Im Regionalteil stellen wir Ihnen Die Zero-Waste-Lösung für Plakate der Firma Gustav Krüger Siebdruck & Werbung GmbH & Co. KG, kurz GKS, aus Bad Münder vor. Außerdem finden Sie den Überblick der Kurse der überbetrieblichen Ausbildung Druck & Medien im NordOsten für Mediengestalter und die Preisträger des diesjährigen Gestaltungswettbewerbes. Lassen Sie sich überraschen ... Der Printausgabe liegt das Programm der Print-Academy.de für das vierte Quartal 2021 bei. Sie kennen die Print-Academy.de noch nicht, dann schauen Sie mal vorbei www.print-academy.de. Möchten Sie uns Feedback geben, Kritik äußern oder Anregungen mitteilen? Möchten Sie Ihr Unternehmen auch im NUTZEN präsentieren? Schreiben Sie uns an Nutzen@vdmno.de!

NUTZEN

NUTZEN DRUCK AUF BERLIN UND BRÜSSEL Briefkastenwerbung muss bleiben! Am 2. Juni 2021 hat der Online-Dialog „Der Wert der Werbepost – das Für und Wider von Hauswurfsendungen“ stattgefunden. Zur Klärung der aktuellen Rechtslage hat der bvdm Prof. Dr. Hans-Peter Schwintowski um Stellungnahme gebeten. Briefkastenwerbung wird in Deutschland durch das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) geregelt. Bestünde die Möglichkeit, es zu ändern, um Briefkastenwerbung nur dann noch zu erhalten, wenn auf dem Briefkasten ein Schild „Werbung erwünscht“ klebt (Opt-in-Modell)? Einen solchen Vorschlag hat die Initiative „Letzte Werbung“ angeregt. Ich meine dagegen, dies widerspräche geltendem Recht. Unser UWG beruht auf einer EU-Richtlinie vom 11. Mai 2005 über unlautere Geschäftspraktiken. Damit wurde in Europa ein einheitliches Level-Playing-Field für lautere Geschäftspraktiken geschaffen, um Wettbewerbsverzerrungen im Binnenmarkt zu unterbinden. Mit Blick auf Werbung heißt es in Anhang I der Richtlinie, dass das hartnäckige und unerwünschte Ansprechen von Kunden über Telefon, Fax, E-Mail oder sonstige für den Fernabsatz geeignete Medien unter allen Umständen als unlauter gilt (Nr. 26). Daraus folgt, dass Briefkastenwerbung in seiner jetzigen Form nicht als unlauter gilt. Das entspricht auch der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs, wonach Briefkastenwerbung nur dann zu einem Unterlassungsanspruch gegenüber dem Werbenden führt, wenn der Eigentümer oder Besitzer einer Wohnung durch einen Aufkleber an seinem Briefkasten zum Ausdruck bringt, dass er den Einwurf von Werbematerial nicht wünscht. Briefkastenwerbung ist in Deutschland und Europa also zulässig, es sei denn, der Briefkasten wird mit einem Aufkleber „Keine Werbung“ versehen. Damit die Wettbewerbsbedingungen für Unternehmen in Europa gleich sind und bleiben, verbietet Art. 4 der Richtlinie Abweichungen von den in der Richtlinie festgelegten Maßnahmen. Die Initiative „Letzte Werbung“ meint indessen, dass die Richtlinie sich gar nicht auf Briefkastenwerbung beziehe, sondern „nur“ auf Geschäftspraktiken, die in unmittelbarem Zusammenhang mit der Beeinflussung der geschäftlichen Entscheidungen des Verbrauchers in Bezug auf Produkte stünden. Dieses Argument ist unlogisch, denn wenn Verbraucher über Telefon oder E-Mail umworben werden, geht es genau darum: Verbraucher zu einer geschäftlichen Entscheidung zu bewegen. Und dasselbe Ziel steht hinter Werbepost im Briefkasten – sonst würden Unternehmen sie nicht machen, nicht in Hauswurfsendungen investieren. Und selbst wenn man dies infrage stellen sollte, wofür nichts spricht, würde die Einführung eines sogenannten Erlaubnisvorbehalts für Briefkastenwerbung gegen die europäische Dienstleistungsfreiheit verstoßen, weil es keinen zwingenden Grund zum Schutz der Verbraucher gibt. Verbraucher können sich durch Aufkleben des Hinweises „Keine Werbung“ sehr gut selbst schützen. Ein darüber hinausweisender Erlaubnisvorbehalt wäre weder erforderlich, noch geeignet, noch angemessen. Im Gegenteil: Es wäre ein falscher Schritt in Richtung einer Verbotsgesellschaft. 30 // 03/2021 Foto: pirke – shutterstock

NUTZEN DRUCK AUF BERLIN UND BRÜSSEL In Europa eine Lanze für Print brechen Mit Ulrich Stetter steht seit Mai 2021 ein renommierter Manager der deutschen Druck- und Medienindustrie an der Spitze von Intergraf, dem europäischen Verband unserer Branche. Da immer mehr Regelungen, die aus Brüssel kommen, auch unseren Wirtschaftszweig betreffen, ist eine starke Interessenvertretung bei der EU wichtiger denn je. NUTZEN hat mit Ulrich Stetter gesprochen. Welche Themen stehen ganz oben auf Ihrer Agenda? Ganz oben steht die Relevanz von Druckprodukten. Das betrifft den Wert von Print für Wirtschaft und Gesellschaft genauso wie seine Nachhaltigkeit. In Deutschland arbeitet unsere Branche sehr transparent nach sehr hohen Umweltstandards. Wir erreichen eine Papier-Verwertungsquote von 88 Prozent. In der Verwendung von nachhaltigen Rohstoffen, von Papier generell, aber natürlich im Besonderen von Recyclingpapier, stehen wir sehr weit vorn. Ohne Print geht es also nicht? So ist es, und das kann man auch in Brüssel nicht oft genug sagen. Druckprodukte sind aus keinem Bereich unseres Lebens wegzudenken. Nicht aus Schulen, Supermärkten, Krankenhäusern, Industrien, Kultur, Gastronomie und natürlich nicht aus der Medienlandschaft. Die digitale Kommunikation hat ihre Berechtigung und auch viele Vorzüge. Aber es wäre kurzsichtig und unverantwortlich, Print ins Abseits zu schieben und elektronische Medien für umweltfreundlicher zu halten. Was kann die Branche von Europa lernen? Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Die 27 Länder der EU sind vermutlich ähnlich unterschiedlich wie die verschiedenen Unternehmen unserer Branche. Aber zusammen bilden die 27 den größten Wirtschaftsraum der Welt. Ich plädiere daher für einen ganz starken Zusammenhalt – trotz allen Wettbewerbs. Genau deshalb sind wir im Verband Druck und Medien Bayern, arbeiten in Gremien der Branche und zusätzlich im Bundesverband engagiert mit. Brauchen wir eigentlich die vielen Regeln aus Brüssel? Es ist wichtig, Europa weiter voranzubringen, und dazu gehören Normen und Regeln ebenso wie die Fähigkeit, über den Tellerrand hinaus zu denken und zu handeln. Sonst hängen andere Wirtschafträume uns ab. Aber ich werde dafür kämpfen, dass Druckunternehmen nicht mit noch mehr praxisfernen Auflagen oder Bürokratie überschüttet werden. Und auch für die Werbefreiheit setze ich mich ein. Werbung gehört zu unserem Wirtschaftssystem, sie ist als Wirtschaftsfaktor unverzichtbar für unsere freie Medienlandschaft und damit eine wichtige Säule unserer Demokratie. Manchmal fühlt man sich von Brüssel bevormundet. Zu Recht? Das wird uns mitunter so verkauft – leider. Aber es entscheidet ja nicht irgendwer in Brüssel, sondern alle Mitgliedsstaaten einigen sich auf ein Ergebnis, das sie dann in ihren Ländern umsetzen. Politiker und Medien sollten hier mehr tun, um den Menschen Europa näherzubringen. Wir müssen uns einfach sehr klarmachen, welche großen Vorteile wir in einem gemeinsamen Europa haben – wirtschaftlich, gesellschaftlich und auch persönlich. Und was macht der Intergraf-Präsident nach einem intensiven Lobby-Tag in Brüssel? Er hofft, pünktlich in Frankfurt zu landen, um dann zu Hause im kleinen und natürlich zertifizierten Privatwald bei der Holzarbeit auszuspannen, an der Quelle unserer Branche sozusagen. 03/2021 // 31