Aufrufe
vor 1 Monat

NUTZEN 03/2021 Ausgabe NordOst

Hier halten Sie digital die neuste Ausgabe des Magazins der Druck- und Medienverbände in den Händen! Die Mainstory dreht sich um die Bundestagswahl. Anschließend folgen wie gewohnt die Rubrik “Print kommt an” und drei Firmenporträts, die unter den Stichworten “Der Nutzen”, “Die Firma” und “Die Profis” Unternehmen aus der Mitgliedschaft vorstellen. Die Profis sind in dieser Ausgabe "Das UmweltDruckhaus" aus Langenhagen. Wir stellen Thomas Rätzke und sein Team vor. Auch die Bilderstory “Unterwegs mit …” nimmt das Thema Wahlen auf. Wir haben unserem Mitgliedsunternehmen "Verlagshaus Stadthagen" über die Schulter geblickt. Im Regionalteil stellen wir Ihnen Die Zero-Waste-Lösung für Plakate der Firma Gustav Krüger Siebdruck & Werbung GmbH & Co. KG, kurz GKS, aus Bad Münder vor. Außerdem finden Sie den Überblick der Kurse der überbetrieblichen Ausbildung Druck & Medien im NordOsten für Mediengestalter und die Preisträger des diesjährigen Gestaltungswettbewerbes. Lassen Sie sich überraschen ... Der Printausgabe liegt das Programm der Print-Academy.de für das vierte Quartal 2021 bei. Sie kennen die Print-Academy.de noch nicht, dann schauen Sie mal vorbei www.print-academy.de. Möchten Sie uns Feedback geben, Kritik äußern oder Anregungen mitteilen? Möchten Sie Ihr Unternehmen auch im NUTZEN präsentieren? Schreiben Sie uns an Nutzen@vdmno.de!

NUTZEN

NUTZEN IM GESPRÄCH Kunden wollen digitalisierte Prozesse Dr. David Schmedding, Geschäftsführer, und Alexander Schuster, Mitglied der Geschäftsleitung der Heidelberger Druckmaschinen Vertrieb Deutschland GmbH, im Gespräch mit Oliver Curdt, Geschäftsführer Verband Druck + Medien Nord-West, über pandemiebedingte Veränderungen und eine Branche im Wandel. Wie hat sich die Pandemie auf das Unternehmen ausgewirkt? Schuster: Nach einem herausfordernden Geschäftsjahr geht es uns wieder deutlich besser, und wir blicken optimistisch in die Zukunft. Wir haben aktuell sehr gute Auftragseingänge, und das zeigt uns, dass es auch unseren Kunden wieder besser geht und ihre Investitionsbereitschaft zunehmend ansteigt. Dr. Schmedding: Global betrachtet, ergibt sich ein differenziertes Bild: In China gab es nach einem kurzen Einbruch ein schnelles Zurück zum normalen Tagesgeschäft. Als wir hier noch mitten in der Pandemie waren, war die Krise dort schon vorbei. Die Pandemie hat insgesamt die Themen „Digitalisierung der Prozesse“ und „Automatisierte und vernetzte Produktion“ stark beschleunigt – sowohl bei Heidelberg als auch bei unseren Kunden. Welche Veränderungen wurden vorangetrieben? Dr. Schmedding: Unabhängig von der Pandemie haben wir unsere Hausaufgaben frühzeitig gemacht, ein Transformationsprogramm auf den Weg gebracht und damit strukturelle und personelle Veränderungen eingeleitet. Die Pandemie wirkte hier wie ein Katalysator. Insgesamt haben wir unsere Organisation stark auf die Zielkundengruppen ausgerichtet, um hier ganzheitliche Lösungen entlang der Prozess- und Wertschöpfungskette der Kunden anzubieten. Im Kerngeschäft konzentrieren wir uns auf zwei große Segmente: Packaging Solutions und Print Solutions, also die klassischen Akzidenzen mit End-to-End-Lösungen für den Kunden. Neben dem Kerngeschäft entwickelt Heidelberg mit seiner Technologiekompetenz weitere neue Geschäftsfelder, unter anderem „private Ladesysteme“ (Wallbox) im Bereich der E-Mobilität; da sind wir in Deutschland schnell zu einem führenden Anbieter geworden. Welche Trends beobachten Sie? Schuster: In Deutschland hat die Nachfrage nach automatisierten und vernetzten Maschinen und Lösungen stark angezogen. Das Thema Push-to-Stop ist für viele Kunden wichtig und findet seinen Niederschlag in Produkten, wie der gerade neu gelaunchten Speedmaster CX 104 mit Bestellungen von über 500 Druckwerken schon vor Markteinführung und in langen Wendemaschinen wie der XL 106. Stark nachgefragt wird aber die gesamte Produktpalette, auch Weiterverarbeitungsmaschinen und Servicekontrakte. Unsere Kunden rüsten sich für die industrielle Produktion. Das Format 50x70 cm erlebt gerade eine Renaissance und ist wesentlicher Bestandteil unseres Portfolios. Welche Auswirkungen hat die zunehmende Digitalisierung auf Druckunternehmen? Schuster: Unsere Maschinen liefern Unmengen von Produktionsdaten, die der Kunde für sich nutzen kann. Er kann dabei auf die Historie zurückgreifen und die Performance seiner Maschine – auch im Vergleich zu anderen Betrieben – überprüfen. Bei Heidelberg arbeiten wir mit digitalisierten Schnittstellen zum Kunden: zum Beispiel dem „Heidelberg Assistant“, „Predictive Monitoring, E-Call“ oder „Video Remote Monitoring“. Wir denken nicht mehr in Boxen, sondern betrachten alles im Gesamtprozess. Und weil wir Produkte aus allen Bereichen der Wertschöpfungskette anbieten, können wir diese auch ideal miteinander vernetzen. Dr. Schmedding: Der Digitalisierungsgrad der Prozesse zwischen den Kunden und uns als Lieferanten sowie unseren Kunden und deren Kunden wird weiter zunehmen. Themen, wie effiziente Auftragsbearbeitung und -verarbeitung, gewinnen an Bedeutung. Die Kunden unserer Kunden wollen digitalisierte Prozesse, denn sie wollen Zeit und Geld sparen und z. B. Bestellvorgänge automatisieren. Wer das beherrscht, kann eine langfristige Kundenbindung aufbauen. Wie schätzen Sie die Entwicklung der Branche ein? Dr. Schmedding: Der Markt verändert sich, aber Print wird im Medienmix immer eine wesentliche Rolle spielen. Es wird Verschiebungen geben, die Auflagenhöhen werden sich verändern, die Flexibilisierung zunehmen und die Anzahl der Player wahrscheinlich abnehmen. 36 // 03/2021

NUTZEN IM GESPRÄCH V.l.n.r.: Alexander Schuster, Oliver Curdt, Dr. David Schmedding Bild: Heidelberger Druckmaschinen Vertrieb Deutschland GmbH Druck wird im Direct-Marketing-Bereich weiterhin eine zentrale Rolle beibehalten. Schuster: Im Etiketten- und Verpackungsdruck sehen wir Zuwächse, Massendrucksachen im Akzidenzbereich hingegen werden weniger nachgefragt. Und alles, was individualisiert ist, wird auch in Zukunft gefragt sein. Dabei wird das Thema Nachhaltigkeit eine entscheidende Rolle spielen. Print ist sehr nachhaltig und wird immer nachhaltiger. Im digitalen Werbebereich werden enorme Energie-Ressourcen verschlungen – das muss man sich in Bezug auf Nachhaltigkeit sehr viel genauer anschauen. Entsprechend werden auch wir unsere Nachhaltigkeitsstrategie weiter anpassen und klare, nachvollziehbare Zielvorgaben definieren. Welche Veränderungen gibt es im Vertrieb? Schuster: Der klassische Außendienst in den Druckbetrieben wird an Bedeutung verlieren. Künftig werden stattdessen vertriebsorientierte Innendienstberater mit großer Produktkompetenz gefragt sein, also Mitarbeiter, die die Prozesse in der Druckerei verstehen und dadurch ihre Kunden optimal beraten können. Dr. Schmedding: Im Heidelberg-Vertrieb wird auch weiterhin ein regelmäßiger, direkter und persönlicher Kontakt zum Kunden sehr wichtig bleiben. Wir setzen auf One Face to the Customer, ein Ansprechpartner für alle Belange beim Kunden vor Ort, ergänzt um den jeweiligen technischen Spezialisten. Setzen Sie auf Remote-Beratung? Schuster: Früher war es notwendig, dass der Vertriebler einen Spezialisten mitbrachte, wenn er beim Kunden war. Jetzt wird dieser für die halbe Stunde per Teams zugeschaltet. Das ist perfekt und kommt sehr gut an. Vor Kurzem hat beispielsweise ein Kollege eine Onlinedemo für eine Flexomaschine mit einem Großkunden aus Übersee durchgeführt. Das funktioniert gut, man muss nicht unbedingt immer reisen. Intensive Beratungen und Verhandlungen funktionieren jedoch nicht rein über den Bildschirm. Wie bieten beides. Wie sieht Heidelberg die Zusammenarbeit mit den Verbänden? Schuster: Die Arbeit von Verbänden ist sehr wichtig, weil sie unsere Kunden unterstützt. Wir haben eine Branche, die wir lieben, die uns umtreibt, wir sitzen alle im selben Boot – gegenseitiges Unterstützen ist unabdingbar. Vor allem die Vernetzung untereinander. Der Verband bietet einen Marktplatz, wo man sich trifft und austauscht. Dr. Schmedding: Ich kann mich nur anschließen. Die Zusammenarbeit mit den Verbänden hilft uns sehr. An der ein oder anderen Stelle greifen wir auf das Knowhow zurück, zum Beispiel sehr gern und intensiv beim Vertriebskongress des Verbandes. 03/2021 // 37