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NUTZEN 04/2020 Ausgabe NordOst

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Hier finden Sie die neue Ausgabe des Magazins der Druck- und Medienverbände! Im Zentrum steht diesmal das Thema Veränderung. Wie gewohnt finden Sie nicht nur die Rubrik "Print kommt an" sondern auch wieder die drei Firmenporträts unter den Stichworten "Der Nutzen", "Die Firma" und "Die Profis" sowie die Bilderstory "Unterwegs mit ..." im Heft. "Die Profis" in dieser Ausgabe kommen aus Niedersachsen: In Groß Oesingen - zwischen Celle und Wolfsburg - finden wir "Die Gemeindebriefdruckerei". Lesen Sie das Porträt im aktuellen Heft. Für die Ausschreibung des Gestaltungswettbewerbes der Druck- und Medienverbände haben wir - neben dem Druck- und Medien ABC - auch diese Ausgabe des NUTZEN gewählt. Weisen Sie Ihre Auszubildenden bitte auf diesen Wettbewerb hin. Weitere Info finden Sie auch unter www.vdmno.de/gestaltungswettbewerb-der-druck-und-medienverbaende oder auf Instagram unter @vdmno. Abonnieren Sie uns dort doch einfach, dann sich Sie immer auf dem Laufenden. Auch in unserem Regionalteil finden Sie ein Firmenporträt: Unter dem Titel "Ein Unternehmen geht neue Wege", stellt sich SCHÜTZDRUCK aus Hannover vor. Der Printausgabe ist das Programm der Print-Academy.de für das erste Quartal 2021 beigelegt. Sie kennen die Print-Academy.de noch nicht? Lesen Sie mehr dazu im vdmno-Regionalteil des NUTZEN 04/2020 oder schauen Sie mal vorbei www.print-academy.de. Möchten Sie uns Feedback geben, Kritik äußern oder Anregungen mitteilen? Schreiben Sie uns an Nutzen@vdmno.de Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldungen!

NUTZEN

NUTZEN DIE FIRMA Codename „Nordsee“ Der Zusammenschluss von Eberl Print und Kösel ist die größte Fusion zweier Unternehmen in der Druckindustrie im laufenden Jahr. NUTZEN sprach mit Ulrich Eberl, dem Geschäftsführenden Gesellschafter des neuen Gemeinschaftsunternehmens Eberl & Koesel, über die Beweggründe, die Vorgehensweise und die Ziele der Fusion. Herr Eberl, wie war die wirtschaftliche Situation Ihres Unternehmens vor dem Zusammenschluss? Bei Eberl Print haben wir uns schon seit mehreren Jahren intensiv Gedanken über die Perspektive unseres Unternehmens gemacht und uns genau angeschaut, wie sich die Märkte entwickeln und wie wir darauf reagieren müssen. Dabei war die Steigerung unserer Produktivität eine zwingende Voraussetzung für die Erhöhung unserer Wettbewerbsfähigkeit. Schnell wurde deutlich, dass sich das nicht an unserem alten Standort in Immenstadt würde realisieren lassen. Zudem spielten für uns aber auch Unternehmensgröße und -struktur eine zentrale Rolle, um wichtige Zukunftsthemen wie die digitale Transformation, die umweltgerechte Druckproduktion oder ein starkes Employer Branding für die Personalentwicklung ordentlich anpacken zu können. Am Ende haben Sie sich für Kösel entschieden. Warum? Wir hatten den Vorteil, in unterschiedlichen Geschäftsfeldern aktiv zu sein. Kösel im Bereich Buch, Eberl im Bereich Kommunikation und Werbung. In den Bereichen Vertrieb, Innendienst, Vorstufe und auch Produktion und Logistik ergeben sich durch den Zusammenschluss große Synergien. Hier ergänzen sich beide Unternehmen perfekt. Unser Ziel war und ist die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit im Markt durch erhöhte Produktivität, die durch einen gemeinsamen Standort realisiert wird. Welche Stärken haben beide Unternehmen in die Übernahme eingebracht? Beide Unternehmen haben als verbindendes Element sehr qualifizierte Mitarbeiter mitgebracht und damit ideale Voraussetzungen, um auf hohem Niveau auch anspruchsvolle und komplexe Projekte zu verwirklichen. Eine weitere Stärke ist das hohe Maß an Innovationsfähigkeit, das sich zudem noch gut ergänzt. Bei Eberl Print waren es eher die produkt- und kommunikationsorientierten Innovationen und bei Kösel die in der Buchproduktion. Wie sah die Annäherung denn konkret aus? Vom wem ging die Initiative aus? Für unseren Prozess war sehr hilfreich, dass die Allgäuer Unternehmen Kösel und Eberl immer eine freundschaftliche Beziehung pflegten. Wir waren in unterschiedlichen Märkten unterwegs und haben uns sogar gegenseitig unterstützt: Mit Eberl Print waren wir Kunde bei Kösel im Bereich Weiterverarbeitung und wir haben auch schon Projekte gemeinsam umgesetzt. Zudem hatten Erik Kurtz und ich durch die gemeinsame ehrenamtliche Tätigkeit beim Verband Druck und Medien Bayern eine vertrauensvolle Grundverbindung. In unseren Gesprächen wurde deutlich, dass auch er für sein Unternehmen eine Fusion mir Eberl Print favorisierte, ohne jedoch persönlich eine unternehmerische Funktion im neuen Unternehmen anzustreben. Das hat die anstehenden gesellschaftsrechtlichen Fragen vereinfacht. Gab es externe Unterstützung bei der Planung und Um - setzung des Zusammenschlusses? Ja, das war für mich ganz entscheidend. Ein externer Experte schaut mit neutralem, unvoreingenommenem Blick auf das Vorhaben. Als Geschäftsführer hat man immer eine subjektive Sicht. Zudem fließen auch persönliche Motive, bewusst oder unbewusst, in Entscheidungen mit ein. Für ein solches Vorhaben bedarf es aber möglichst klarer, objektiver Entscheidungsprozesse. Zudem bringt die externe Beratung das notwendige Know-how, die passenden Analyse-Tools und die nötige Erfahrung mit, um ein solches M&A-Projekt sorgfältig zu planen und erfolgreich umzusetzen. Wir Drucker beschäftigen uns schließlich nicht jeden Tag mit solchen Themen. 18 // 04/2020

NUTZEN DIE FIRMA Menschen mitzunehmen und für die gemeinsame Sache zu begeistern ist und bleibt die größte Herausforderung.“ FOTO: JAN ROEDER An manchen Ecken steht Ulrich Eberl noch auf einer Baustelle. Doch diese Ecken werden immer weniger. Wie lange hat der Prozess von der Idee bis zur Umsetzung des Zusammenschlusses gedauert? Zunächst einmal brauchten wir die erforderlichen Gesellschafterbeschlüsse. Dazu wurden die notwendigen Business- und Finanzierungspläne erstellt, um die Möglichkeiten einer Fusion weiter auszuloten. Wegen der in dieser Phase gebotenen Geheimhaltung trug das Projekt bei uns den Codenamen „Nordsee“ – ein augenzwinkernder Bezug zu unserem externen Berater aus Hamburg. Die Due Diligence sowie die Erstellung des Kaufvertrags haben wir übrigens ebenfalls durch eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft durchgeführt. Nach den finalen Beschlüssen der Gesellschafterversammlungen wurde der Kaufvertrag im Januar unterschrieben. Anschließend wurden alle Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten und die Öffentlichkeit informiert. Wie sind Sie mit der Komplexität der Aufgabe während des Umsetzungsprozesses umgegangen? Eine Entscheidung von solch unternehmerischer Tragweite berührt zwangsläufig alle Unternehmensteile. Ich hatte großen Respekt vor der anstehenden Aufgabe. Wir haben das Projekt in Teilprojekte untergliedert, um alle betroffenen Bereiche zu beleuchten: Personal, Finanzen, Vertrieb und Kunden, IT, Umzug, Marketing und Kommunikation, Einkauf und Technik. Diese Teilprojekte waren jeweils mit einem Mitarbeiter von Eberl Print und von Kösel sowie einem externen Begleiter besetzt. Die Koordination hatte ein zentraler Lenkungsausschuss übernommen. Kommunikation und Organisation lief ausschließlich digital über sogenannte Slack-Channels ab – nicht nur für mich persönlich eine interessante Erfahrung, um eine schnelle, raum- und zeitunabhängige Kommunikation zu ermöglichen. Wo stehen Sie mit der Umsetzung heute? Der Umzug an den neuen Standort in Krugzell ist mittlerweile abgeschlossen. Die Technik ist integriert, an den entsprechenden Prozessoptimierungen arbeiten wir weiterhin, etwa mit einem 5S-Projekt. Auch die Integration der IT, wie Netzwerk, Server, Storage, Backup, Security, ist weitgehend abgeschlossen. Das neue gemeinsame ERP-System konfigurieren wir gerade. Natürlich war allen bewusst, dass wir am neuen Standort nicht alle Mitarbeiter beider Unternehmen würden weiterbeschäftigen können. Für Unternehmer ist das immer ein schmerzhafter Prozess, der auch mir nicht leichtfällt. Aber wenn sie effiziente Strukturen für die Zukunft aufbauen wollen, kommen sie da nicht drum herum. Der notwendige Personalabbau ist mittlerweile umgesetzt und formal weitgehend abgeschlossen. Mit Hilfe der Juristen des Verbandes haben wir zudem eine Betriebsvereinbarung erreicht, mit der die Arbeitszeiten einheitlich geregelt werden. Was waren die größten Herausforderungen? Die wichtigste Aufgabe ist es, die Mitarbeiter beider Betriebe mit auf die Reise zu nehmen. Die Arbeit mit den Mitarbeitern ist eine äußerst anspruchsvolle Aufgabe. 04/2020 // 19