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Nutzen 1-18 vdmno

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TECHNIK Heenemann 50/50

TECHNIK Heenemann 50/50 Die 1906 in Berlin-Wilmersdorf gegründete Buch- und Offsetdruckerei H. Hennemann ist heute mit über 100 Mitarbeitern eines der größten Berliner Druckereiunternehmen: Vollstufig mit Bogenoffset- und Digitaldruckmaschinen von 2 bis 8 Farben ausgestattet. Innovative Technologien und modernes Equipment im ganzen Unternehmen sind für den traditionsreichen Betrieb selbstverständlich. Erzeugnisse wie Zeitschriften oder Kataloge für die Kunstszene, ob mit außergewöhnlicher Typografie oder getreuer Wiedergabe der Originale, sind „normaler Alltag“. Wir trafen Dirk Hentschler, Geschäftsführer bei Heenemann, am Rande des ddk 2018, wo er über die wesentlichen Herausforderungen bei der Einführung von industriellem Digitaldruck referierte. Heenemann trägt die traditionellen Druckverfahren im Firmennamen. Mittlerweile hat auch der Digitaldruck einen festen Platz in Ihrem Unternehmen. Wie lief diese Entwicklung? Wir beschäftigen uns schon seit 1997 mit dem Thema Digitaldruck. In den Anfängen wurden fast ausschließlich einfarbige Produkte produziert. 2010 mit der Anschaffung einer NexPress hielt dann der „richtige“ Digitaldruck bei der Buch- und Offsetdruckerei H. Heenemann Einzug. Der Anfang war etwas mühsam, da keiner unsere kleine NexPress für voll genommen hat. Wir konnten trotzdem bis 2013 einen Umsatz von 400 T€ generieren. Zu dieser Zeit haben wir allerdings auch noch nicht wirklich in Digitaldruck-Dimensionen gedacht und auch unsere interne Arbeitsabläufe waren nicht entsprechend angepasst. Es war für uns nur das klassische Projektgeschäft mit kleinen Losgrößen. Heenemann hat in zwei moderne HP Indigo Maschinen investiert. Welches Resümee ziehen Sie daraus? Zum damaligen Zeitpunkt war für uns immer noch das klassische Projektgeschäft mit Kleinauflagen im Fokus des Digitaldrucks. Unsere Anschaffung war eine der ersten B2 Maschinen im Markt. Die fehlende Erfahrung mit der Indigo-Technologie in unserem Haus gepaart mit den Ansprüchen eines Offsetdruckers - mit allen denkbaren Anwendungen hinsichtlich Papier- und Produktvielfalt - hat uns vor einige Aufgaben gestellt, die wir lösen mussten. In dem Moment mussten wir unsere Produktionsabläufe anpassen, das heißt automatisieren und im Unternehmensablauf implementieren. Aus diesem Grund stand bei uns das Jahr 2015 im Zeichen der Automatisierung. Das bedeutet, dass unser MIS und der nachfolgende Workflow für die automatische Auftragsannahme bereit sein musste. Mit den von uns angepassten und umgesetzten Prozessen konnten wir dann auch Kleinauflagen automatisch über e-commerce Plattformen annehmen. Nachdem die Druckmaschinen liefen und die Automatisierung voranging, stellte sich schnell heraus, Foto: Ronny Willfahrt Dirk Hentschler, Geschäftsführer der Buch- und Offsetdruckerei H. Hennema sprach zum Thema: Reale Transformation von Offset zu Digitaldruck dass unsere Weiterverarbeitung die Bedürfnisse der Digitaldruckprodukte nicht erfüllte. Die Folge war, dass wir investieren mussten, um auch kostendeckend die „Auflage 1“ herstellen zu können. Ein Klebebinder für variable Produktion, neue Sammelhefttechnik und diverse andere Maschinen wurden angeschafft. Zusätzlich sind wir VIII // 01/2018

nn in dieser Zeit in die Kalenderfertigung eingestiegen und wuchsen dort Jahr für Jahr. Das besondere unserer Produktion ist, dass wir immer mehr gebatchte Klein- und Kleinstauflagen – die Kombination aus Offset- und Digitaldruck - fertigen. Wegen des anhaltenden Wachstums im Werbebereich entschlossen wir uns 2016 in eine weitere HP Indigo zu investieren. Mit dieser Maschine konnten wir auch die Spitzen in der Hochsaison abfangen. Digitaldruck ist nicht gleich Digitaldruck. Welche Unterschiede gibt es aus Ihrer Sicht und wie ist die Abgrenzung zum klassischen Offsetdruck? Ja, das stimmt. Digitaldruck ist nicht gleich Digitaldruck. Wir sind davon überzeugt, dass wir mit der bei uns eingesetzten Digitaldrucktechnik am weitesten an die Offsetdruckqualität herankommen. Das war auch einer der wichtigsten Gründe bei unserer Entscheidung für die Investition. Es gibt natürlich Digitaldruckanwendungen, die wir heute noch nicht in einer Offsetqualität umsetzen können, allerdings gibt es auch viele Produkte im Digitaldruck, die der Offsetdruck nicht umsetzen kann. Um den Qualitätsanforderungen unserer Kunden gerecht zu werden haben wir die Digitaldruckmaschinen jeweils mit 7 Farbwerken ausgestattet. Zusätzlich haben wir Veredelungen wie erhabenen Druck (raised printing), digitales Prägen in der Maschine (Texture Effects), digitale Wasserzeichen (transluzente Effekte), die Farbe Weiß als Druckfarbe sowie das Bedrucken von synthetischen Materialien (oneShot) integriert. Die Druckqualität an sich ist aus diesem Grund für uns nur noch nebensächlich bei der Entscheidung ob Digital oder Offset. Der Digitaldruck hat Vorteile: Flexibilität, Zielgruppen spezifische Werbung, Personalisierung. Wie nutzen Sie diese Vorteile? Das Drucken von variablen Daten ist der eigentliche und große Vorteil des Digitaldrucks, nicht mehr die Tatsache, dass Kleinauflagen günstiger produziert werden können. Tatsache ist zwar, dass durch die Automatisierung im Offset der Break-Even zwischen Offset- und Digitaldruck immer weiter nach unten gedrückt wird, aber die Verarbeitung variabler Datenströme und die zielgruppengerechte Produktion – damit meine ich auch Auflage 1 - , kann der Offset nicht leisten. Ich bin davon überzeugt, dass in der Zukunft nur noch das gedruckt wird, was der Empfänger auch wirklich benötigt. beispielsweise ein sehr beratungsintensives Unternehmen und besprechen im Projektgeschäft viele Details mit unseren Kunden. Dafür muss man natürlich entsprechendes Know-how vorhalten. Unsere Möglichkeiten der komplexen Produktionen wie z.B. die Kombination aus Offset- und Digitaldruck muss man umsetzen und auch überzeugend verkaufen können. Dagegen stehen im e-commerce-Geschäft die straffen Prozesse der Kleinauflagen effizient zu steuern im Vordergrund. Das gilt meiner Meinung nach auch im Projektgeschäft, denn kein Kunde gibt gerne zu viel Geld aus. Wir arbeiten zusätzlich noch mit einer Software, die die zielgruppenrelevante Produktion für unsere Kunden unterstützt. Wie sieht es mit dem erforderlichen Know-how Ihrer Mitarbeiter im Digitaldruck aus? Wir haben unsere Digitaldrucker aus der Druckvorstufe und aus dem Offsetdruck rekrutiert. Die Symbiose aus beidem ist der ideale Digitaldrucker. Der Offsetdrucker ist fit im Umgang mit Papier und Farbe und der Mediengestalter übernimmt das Datenhandling. Wie sehen Ihre Strategien aus, um sich im Markt weiter zu entwickeln? Unsere Strategie heißt „Heenemann 50/50“. Das bedeutet, dass bis 2020 50 % unseres Umsatzes aus dem Offset und 50 % aus dem Digitaldruck kommen soll. Das ist natürlich kein Dogma sondern ein angestrebtes Ziel und zeigt wo wir Wachstumspotenzial sehen. Aktuell liegt der Digitaldruckanteil noch bei 23 %. Was meinen Sie, welche Rolle der Digitaldruck in 10 Jahren in Ihrem Haus spielen wird? Soweit in die Zukunft zu sehen, ist schwer. Ich nehme allerdings an, dass die Bedeutung des Digitaldruckes zunimmt, denn auch der Offset wird immer digitaler. Wer weiß, vielleicht trennen wir das ja in 10 Jahren gar nicht mehr. Glauben Sie an die Zukunft von Papier und damit an die gedruckte Kommunikation? Ja, ich glaube an bedrucktes Papier! Dabei wird aber der Nutzen für die jeweilige Zielgruppe im Vordergrund stehen. Alles was reine Information ist, wird meines Erachtens digital publiziert werden. Herr Hentschler, wir sagen herzlichen für das Gespräch und Ihre Offenheit. Welche Serviceleistungen sollte ein Digitaldrucker Ihrer Meinung nach anbieten? Es kommt darauf an, wie er sich positioniert. Wir sind 01/2018 // IX