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NUTZEN GELD

NUTZEN GELD KÖNIGSDISZIPLIN DER DRUCKER Das Bonus-System Payback klingt amerikanisch, wurde aber im Jahr 2000 von dem Münchner Alexander Rittweger erfunden. Es setzt auch im 21. Jahrhundert auf personalisierte Werbung per Post – im Jahr 2018 wurden 104 Millionen Papier-Mailings und 4 Milliarden Coupons verschickt. Bar zahlen, tippen oder lächeln? Es bleibt abzuwarten, ob die neuen mobilen Bezahlsysteme z. B. über Smartphone, Fingerabdruck oder Gesichtserkennung eine nächste Revolution auslösen. Vielleicht reicht in Zukunft ein Lächeln in die Kamera, um das neue Handy zu ordern. In den USA, Schweden oder den Niederlanden ist elektronisches Bezahlen bereits beliebter als Bargeld. Nach Schätzungen des schwedischen Einzelhandelsverbands werden in Schweden mehr als 90 Prozent aller Einkäufe mit Kreditkarte oder Handy abgewickelt. Selbst der Klingelbeutel in einigen Kirchen wurde digitalisiert: Die Kollekte wird per „Swish“ entrichtet. Und in China haben die mobilen Apps von Alipay mit 520 Millionen Nutzern und WeChat Pay mit 900 Millionen Kunden die Münzen und Scheine längst an den Rand gedrängt. Davon ist Deutschland weit entfernt. Hier herrscht immer noch das Bargeld. Im Jahr 2017 wurden laut Deutscher Bundesbank 74 Prozent der Transaktionen bar bezahlt. Auf die Girocard – ehemals EC-Karte – entfielen 18 Prozent und auf Kreditkarten nicht einmal zwei Prozent. Insbesondere bei kleineren Beträgen bis 20 Euro liegt Bargeld vorn. Das freut die Drucker. Bild: Payback Prepaid und Short Message Service – Dafür stand auch schon die Briefmarke 1840 kam die One Penny Black in Großbritannien raus. Noch ungezackt. Die praktische Perforierung und damit der typische Zahnrand wurde erst rund 15 Jahre später eingeführt. Wer meint, die Prepaid-Idee zog erst mit Telefonkarten und Handyguthaben ins Kommunikationsgeschäft ein, der irrt. Die Briefmarke war vorher da – und mit ihr das erste System von Vorauszahlung und anschließender Dienstleistung. Die One Penny Black erblickte im Mai 1840 in Großbritannien das Licht der Welt und revolutionierte das Postwesen rund um den Globus. Neun Jahre später druckte zunächst das Königreich Bayern den Schwarzen Einser und zwei weitere Marken zu drei und sechs Kreuzer – und ähnlich wie bei den Geldscheinen warteten andere deutsche Staaten umgehend mit eigenen Exemplaren auf. Nicht zuletzt dank des enormen Ausbaus der Eisenbahn entwickelten sich Briefe und Postkarten zu den wichtigsten Kommunikationsmitteln und damit schossen die Auflagen der Marken in astronomische Höhen. So hatten die wichtigsten österreichischen Briefmarkenwerte zu fünf und zehn Heller aus dem Jahre 1908 eine Auflagenzahl von je über drei Milliarden Stück. Wer auf die Idee kam, Briefmarken nicht nur als Postwertzeichen zu sehen, sondern als Vermittler von Botschaften, weiß niemand. Sicher ist: So ziemlich von Anfang an bis in die 1960er Jahre war die Anordnung der Marken auf einem Brief – als möglichst geheime Information – verbreitet. Dazu erschienen Anleitungen zur Deutung der Nachricht in Zeitschriften, auf Postkarten und sogar in mehreren Büchern. Das war wichtig. Denn Empfänger und Versender benötigten unbedingt identische Codes. Sonst konnte es passieren, dass eine umgedrehte Briefmarke als „Ich liebe Dich“ verschlüsselt, beim Empfänger als „Ich will Dich nie mehr wiedersehen“ entschlüsselt wurde. Heute dagegen kann man sich seine eigenen Briefmarken online gestalten und für Freude sorgen. Ob Familienfoto, Urlaubsbilder, Schnappschüsse, Malereien, Hochzeitsmotive oder Marken mit Firmenlogo. Alles ist möglich. 12 // 01/2019

NUTZEN GELD RASCHELNDES GOLD Heiß begehrte Fehldrucke Um sein Taschengeld aufzubessern, verkaufte ein Stockholmer Schüler 1885 ein altes, frankiertes Kuvert aus der Briefschatulle seiner Großmutter an einen Händler. Er bekam dafür sieben Kronen. Die „Treskilling“-Marke war allerdings gelb statt grün – ein einzigartiger Fehldruck aus dem Jahr 1857. Genau das macht sie so wertvoll. Alle Jahre wieder landet sie in einem Auktionshaus und wechselt den Besitzer. Zuletzt für 2,5 Millionen Euro. Damit gilt sie als eine der teuersten Marken der Welt. Nicht ihrer Schönheit, sondern einem Fehldruck verdanken auch die australische Inverted Swan, die belgische Inverted Dendermonde und die Inverted Jenny aus den USA ihren Wert. Aufgrund produktionsbedingter Fehler stehen die Motive entweder auf dem Kopf oder sind seitenverkehrt abgebildet. So wurde aus der Inverted Jenny für 24 US-Cent eine 1,3-Millionen-Dollar-Marke. Australische Inverted Swan. Inverted Jenny, USA. Belgische Inverted Dendermonde. Wenn aus Altpapier Goldstücke werden Begehrter Held Der erste Superman-Comic, 1938 zum Preis von 10 Cent am Kiosk erhältlich, wurde 2009 für 317.000 Dollar gehandelt. Im Februar 2010 wechselte ein Exemplar auf der Internetseite comicconnect.com für 1 Million Dollar den Besitzer. Einen Monat später brachte das Heftchen sogar schon 1,5 Millionen Dollar ein. Teurer Anschlag Anlässlich der „Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten“ produzierte der Drucker John Dunlapher Anschläge für Kirchentüren, Rathäuser und Wirtshäuser. Für eines der wenigen erhaltenen Exemplare zahlte 1991 ein Sammler den Rekordpreis von 2,42 Millionen Dollar. Edler Sportler Die amerikanische Tabakgesellschaft brachte 1909 eine Sammelkarte mit dem Porträt des damaligen Baseball-Stars Honus Wagner heraus. Wagner ließ die Produktion stoppen, weil er nicht für Tabak werben wollte. Eine der wenigen Karten ging für 2,8 Millionen Dollar an einen privaten Sammler. Alter Lappen Wiederentdeckt wurde die Aktie 001 der Deutschen Bank beim Jahrhunderthochwasser 2002. Gedruckt worden war sie von Giesecke+Devrient 1871 in Leipzig. Ursprünglich hatte sie einen Nennwert von 200 Talern, ein Sammler zahlte 2004 gut 72.000 Britische Pfund (gut 104.000 Euro). 01/2019 // 13