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NUTZEN DRUCK AUF BERLIN

NUTZEN DRUCK AUF BERLIN UND BRÜSSEL Konsolidierung in wichtigen Zuliefermärkten Der bvdm hat beim Bundeskartellamt eine ausführliche Prüfung der Übernahme der MBO-Gruppe durch Heidelberg sowie der Fusionspläne von Papyrus Deutschland und Papier Union erwirkt. Der Hintergrund: Weitere Konzentrationen auf wichtigen Zuliefermärkten drohen, die ohnehin sehr angespannte Einkaufssituation der Druckund Medienunternehmen noch weiter zu verschlechtern. Seit einigen Monaten sind gleich mehrere Fusionsabsichten in Zuliefermärkten der Druckindustrie bekannt: Anfang Oktober 2018 verkündete die Heidelberger Druckmaschinen AG (Heidelberg) ihre Absicht, die MBO-Gruppe zu übernehmen. Hierdurch würde sich die Zahl der aktiven Falzmaschinenhersteller in Deutschland von vier auf drei reduzieren. Die beiden kleineren Anbieter – GUK (inklusive MB Bäuerle) und Horizon – stünden einem vergleichsweise sehr großen Anbieter – Heidelberg/ MBO-Gruppe – gegenüber. Darüber hinaus kündigten OptiGroup und Inapa, zwei international agierende Papiergroßhandelsunternehmen, im Oktober 2018 die Zusammenführung ihrer deutschen Tochtergesellschaften Papyrus Deutschland und Papier Union an. Nach einer Schätzung des bvdm kämen diese Großhändler zusammen auf einen Anteil von rund 38 Prozent am gesamtdeutschen Papiergroßhandelsumsatz. Bei einigen Druckpapiersorten, die beide Großhändler vertreiben, könnte eine mit der Fusion einhergehende Marktdominanz zu einer nachteiligen Position für die Käufer führen. Das Bundeskartellamt prüft und bewertet die Auswirkungen von Fusionen für den Wettbewerb. Während der Prüfung dürfen die Fusionen nicht vollzogen werden. Bild: Shutterstock.com 32 // 01/2019

NUTZEN DRUCK AUF BERLIN UND BRÜSSEL Kostenentwicklung 2018 nach Kostenarten über 5 % 0,5 bis 5 % ± 0,5 % Druckpapier Transport/Logistik Energie Druckfarben/Lacke 16 % 11 % 7 % 57 % 36 % 6 % 62 % 20 % 45 % 40 % 52 % 39 % Das Jahr 2018 war gekennzeichnet von starken Kostensteigerungen. Neun von zehn Unternehmen (93 Prozent) mussten Teuerungen beim Druckpapier verkraften. Acht von zehn Unternehmen (78 Prozent) waren mit steigenden Transportkosten konfrontiert. Personalentgelte 6 % 60 % 27 % Quelle: Branchenbefragung des bvdm. Druckplatten 4 % 27 % 62 % 0 % 25 % 50 % 75 % 100 % Große Sorge bei Druckunternehmen Die beiden beabsichtigten Fusionen bedürfen der Genehmigung durch das Bundeskartellamt. Die beteiligten Unternehmen waren von einer schnellen Genehmigung ausgegangen und hatten einen positiven Beschluss noch im Dezember des vergangenen Jahres erwartet. In der Branche haben die Fusionsabsichten jedoch große Besorgnis hervorgerufen. Schon jetzt stehen auf den betroffenen Märkten wenige Anbieter vielen Nachfragern gegenüber. Eine behördliche Genehmigung der Fusionen würde diese oligopolistische Marktkonzentration weiter verstärken. Im Interesse der Unternehmen unserer Branche ist es hingegen, die Angebotsvielfalt in den Zulieferbranchen zu erhalten und ihre Einkaufssituation nicht zu verschlechtern. Entscheidung steht noch aus Der bvdm hat daher das Bundeskartellamt kontaktiert und – gemeinsam mit den Landesverbänden Druck und Medien – an Unternehmen appelliert, sich eigenständig beim Bundeskartellamt zu melden, um in den Prüfverfahren gehört zu werden. Die Behörde sah weiteren Aufklärungsbedarf über die angestrebten Zusammenführungen und leitete in beiden Fällen förmliche Hauptprüfverfahren ein. Während die Beschlussabteilung der Behörde im formlosen Verfahren innerhalb eines Monats eine Entscheidung fällen muss, kann ein förmliches Hauptprüfverfahren bis zu drei weitere Monate dauern und ist entsprechend detaillierter. Dafür wurden stichprobenartig ausgewählte Druck- und Medienunternehmen ausführlich und systematisch zu den möglichen Folgen der Fusionen befragt, um über die Fälle objektiv entscheiden zu können. Die gesetzlichen Prüffristen enden im März 2019, die Beschlüsse müssen vom Bundeskartellamt unmittelbar danach veröffentlicht werden. Unabhängig vom Ausgang der Verfahren können die ausführlichen Prüfungen bereits jetzt als Zwischenerfolge verbucht werden: Sie haben die Wettbewerbshüter deutlich für die marktschwächere Position von Druck- und Medienunternehmen gegenüber ihren Zulieferbranchen sensibilisiert. 01/2019 // 33