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BRANCHENTALK „Das Produkt Papier hat mich sofort fasziniert“ In Berlin ist Rainer Schmidt von der E. Michaelis & Co. ein wahres Urgestein im grafischen Gewerbe. Inmitten geschäftiger Baumaßnahmen trafen wir einen Mann, dem auch nach mehr als 45 Jahren noch die Augen leuchten, wenn er über Papier spricht. Oder von der Raumfahrt. Herr Schmidt, hier in Berlin kennt Sie wohl fast jeder aus der Branche. Sind Sie eigentlich ein waschechter Berliner? Absolut. Geboren in Berlin-Biesdorf und aufgewachsen in Berlin-Tempelhof. Wie kamen Sie zum Papier? Eigentlich wollte ich in die Baubranche, denn mich haben immer diese Zement-Mischwagen fasziniert. Mein Vater kam allerdings aus der Wohnungswirtschaft und wollte mich aus der Baubranche raushalten. Es ergab sich dann über familiäre Verbindungen der Kontakt zur Otto Ebert Papiergroßhandlung. Als Azubi zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel bin ich dort eingestiegen und zwar am 1.4.1973. Das Produkt Papier hat mich sofort fasziniert! Sind Sie Berlin immer treu geblieben oder waren Sie zwischendurch mal weg? Nein, ich war mal weg. Bis 1989 war ich bei Seiler Papier, die Otto Ebert übernommen hatte. Dann kam die Grenzöffnung für den Inselstaat Berlin. Ich war ja noch ein Wilder zu der Zeit! Für mich war klar: ich muss jetzt etwas Anderes machen und mich hat die Industrie gereizt. Ich bin zur II // 02/2019

Hannover Papier gegangen und war dort verantwortlich für den Aufbau der neuen Bundesländer. Im Prinzip war mein Zuhause in den folgenden Jahren aufgrund der vielen Reisetätigkeit das Auto. Seit wann sind Sie schon bei Michaelis? Gerade gestern haben wir hier mit einer großen Party mein 25-Jähriges im Unternehmen gefeiert. Ich bin also seit 1994 an Bord. Glückwunsch! Auch nach 25 Jahren wird es offenbar nicht langweilig. Was können Sie Aktuelles berichten? Bei uns sind neben dem Papier zahlreiche weitere Produkte und Systeme hinzugekommen: Gummitücher, Platten, Chemie, Farben mit eigener Farbmischstation. Außerdem produzieren wir bei Michaelis Kartonagen, runden das Ganze mit dem Verpackungssortiment ab und wachsen auch im Viscom-Bereich. Wir brauchen insgesamt mehr Platz und stärken nun den Standort Berlin, indem wir auf eigenem Grund eine neue Hochregallagerhalle bauen. Werden die rund 60 Arbeitsplätze in Berlin ausgebaut oder gesichert? Die bestehenden Arbeitsplätze werden gesichert. Das Papiergeschäft schrumpft, das ist kein Geheimnis. War es nicht verlockend, den Grund und Boden in unmittelbarer Nähe zur Spree anderweitig einzusetzen? Schließlich sprießen die neuen Wohnquartiere auch hier nur so aus dem Boden. Nun, schnelles Geld lässt sich im Papiergroßhandel sicher nicht verdienen. “Seit 1804 macht Michaelis in Papier“. Unsere jungen Geschäftsführer aus den Gesellschafterfamilien sind sich dieser Tradition bewusst. Es stand daher nie zur Debatte, den Standort für andere Zwecke zu nutzen und hier nicht weiter zu machen. Wie ist der Zeitplan für die Baumaßnahmen? Mitte des Jahres soll der Rohbau stehen, im Herbst soll die neue Halle dann fertig sein. Mit großem Eröffnungsfest? Ja, natürlich! Unsere Feste sind ein wesentlicher Faktor der Kundenbindung in Berlin. Nicht zuletzt unsere Public-Viewing-Events, die wir bei großen Fußballturnieren veranstalten, sind ein Beispiel dafür. Beim letzten Public Viewing hier vor Ort schied die deutsche Fußballnationalmannschaft bei der WM sangund klanglos als Tabellenletzter aus ... Unser eigener Auftritt war weltmeisterlich, am desaströsen Spiel der deutschen Mannschaft hatten wir glücklicherweise keinen Anteil. Aber das Event selbst war sehr erfolgreich, wir konnten rund 350 Gäste bei uns begrüßen. Themenwechsel: sie erwähnten das rückläufige Papiergeschäft im Allgemeinen. Wie sieht es bei den Digitaldruckpapieren aus? Die heutigen Produktionsmaschinen sind sehr ausgereift, die Qualität hervorragend, auch im Hinblick auf Veredelungen. Der Markt wächst weiter, wenn auch nicht mehr so, wie in der Anfangszeit. Die Veränderungen Offset zum Digitaldruck liegen auch heute noch im zweistelligen Bereich. Allerdings macht der Digitaldruck im Bereich Papier nur etwa 10 bis 13 Prozent im Vergleich zu grafischen Papieren aus, wenn wir uns ausschließlich auf die Papiere beziehen, die wir explizit für den Digitaldruck verkaufen. In Berlin gehören Ihre Lkw zum Stadtbild. Ist die persönliche Auslieferung mit einer eigenen Logistik auch weiterhin vorgesehen? Das ist für uns ein ganz wichtiger Aspekt. Wir möchten unser Gesicht gegenüber dem Kunden zeigen. Sie schätzen es, wenn unsere Fahrer sie kennen. Die Lkw sind tatsächlich unsere eigenen. Bei Kleinbestellungen arbeiten wir jedoch zunehmend mit den bekannten Dienstleistern zusammen. Dem Drucker hingegen wird Papier auch weiterhin zu 95 Prozent von unseren Fahrern geliefert. 02/2019 // III