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NUTZEN UNTERNEHMERREISE

NUTZEN UNTERNEHMERREISE INS SILICON VALLEY Think big and act fast Persönliche Eindrücke von der Unternehmerreise ins Silicon Valley von Oliver Stapfer, Geschäftsführer L/M/B Druck GmbH Louko. BILD: VDMB Es waren einmal 17 Abgesandte der Schwarzen Kunst, die sich aus Deutschland, Österreich und der Schweiz aufmachten, in die große weite Welt zu ziehen, um das Reichwerden zu lernen. So könnte die Erzählung über die Unternehmerreise vom 4. bis 11. Mai 2019 ins Silicon Valley beginnen. Doch gibt es auch ein Happy End? Zunächst darf ich alle beruhigen: Wir sind vollzählig wieder in der Heimat angekommen und das Gründerfieber hat keinen gepackt und zum Bleiben bewogen. Lernen kann man im Tal der Träume südlich von San Francisco einiges. So ist die Geschwindigkeit beeindruckend, mit der Geschäftsideen umgesetzt werden, nicht selten werden neue Lösungsansätze binnen 12 Monaten in den Markt gedrückt. Mit großem Verkaufstalent wird eine Klima braucht es erfolgreiche Unternehmer, Finanzierungsmöglichkeiten, Bildungseinrichtungen, bürokratiearme Politik und zu 70 Prozent fertige Entwicklung angeboten, um als erster den Markteintritt zu haben. Der Verwaltung, potenzielle Kunden, leistungsfähige Infrastruktur, First-Mover-Vorteil ist für disruptive Neuerungen extrem wichtig und dieser Vorteil wird qualität sowie das Zusammenspiel von Talenten. Von besonderer die Offenheit für Innovationen, Kreativität und eine hohe Lebens- meist mit viel Geld der Risikokapitalgeber Bedeutung ist die Geisteshaltung der Menschen dort, die nicht nur erkauft. eine gewisse Technikaffinität beinhaltet. Es geht vielmehr darum, Damit das Silicon-Valley-Ökosystem funktioniert, bedarf es fundamentaler Rahmen- einmal scheitern, damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es an das Geld der Kunden zu kommen. Zudem darf man ruhig auch bedingungen: Für ein gründerfreundliches beim nächsten Mal klappt. Vernetzung wird großgeschrieben im 34 // 02/2019

NUTZEN UNTERNEHMERREISE INS SILICON VALLEY Valley und damit meine ich nicht Hardware, sondern wiederum die Menschen. Im Gründungsstadium von Firmen wird das Networking in größeren Coworkingspaces beflügelt. Dort gehen die Start-ups unter einem Dach der Umsetzung ihrer Ideen nach. Die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit beträgt im Valley rund 18 Monate, damit wird das Wissen über die Unternehmensgrenzen hinaus multipliziert. Das ist für die Techunternehmen notwendig, damit die Geschwindigkeit des Wandels aufrechterhalten werden kann. Die Kehrseite der Valley-Medaille ist ein teures Leben. Bei Jahresgehältern jenseits von 200.000 US-Dollar für einen Softwareentwickler steigen neben Mieten ebenso andere Lebenshaltungskosten in schier unerreichbare Höhen. Im Ergebnis bedeutet das, dass der Nachwuchs teuer ist. Bereits im Kleinkindalter ist davon auszugehen, dass pro Kind zwischen 30.000 und 60.000 US-Dollar pro Jahr für die Betreuung aufgewendet werden müssen. Valley-Insider bezeichnen die Region daher selbst als familienfeindlich und es gibt mehr Hunde als Kinder. Die Größen der Region wie Google, Facebook und Apple reagieren auf solche Entwicklungen bereits mit Abwanderung. Das allgemeine Gründerfieber erinnert immer noch an den Goldrausch vor über 170 Jahren. Viele Gründer geben sichere Jobs auf und gehen den risikoreichen, aber verlockenden Start-up-Weg. Für einen kurzen Moment hat man den Eindruck, das allgemeine Investitionsrisiko von mittelständischen Industriebetrieben ist dagege ein Kinderspiel. Der Weg zum Geld führt die Valley-Gründer im Idealfall über mehrere Finanzierungsrunden an die für das Wachstum notwendigen Mittel. Wachstum, nur darum geht es am Ende. Die Amerikaner nennen es skalierbares Ideen über Ideen in der Design-Thinking School der Stanford University Im Gespräch mit Studenten der Stanford University Geschäftsmodell. Beim sogenannten Pitchen wird in kurzen Verhandlungsrunden zunächst um Tausende und später um Millionen Dollar für die eigene Idee gekämpft. „Und das Pitchen ist sehr hart und will gelernt sein“, ist die allgemeine Aussage. Da bin ich schon sehr froh, dass das Pitchen mit einer Sparkasse oder einer Volksbank um einen Millionenkredit für eine neue Maschine sehr einfach ist. Gedruckt wird aber im und rund ums Valley auch noch. Hier hat man den Eindruck, dass die Zeit bisweilen stehen geblieben ist. Bei einem Maschinenalter im Land der unbegrenzten Möglichkeiten von durchschnittlich 17 Jahren kein Wunder. Die Produktionseffizienz ist daher meist auf einem anderen Niveau, als wir das gewohnt sind. Aber wir haben mit den Amerikanern eines gemeinsam: Gespart wird vor allem in der Weiterverarbeitung! Was in den amerikanischen Druckereien gut läuft, ist der Vertrieb oder eher das Verstehen von Kundenproblemen und die Kreativität beim Aufspüren von Lösungen. Darüber hinaus reden wir über einen Gesamtmarkt von gut 300 Millionen Einwohnern und mit nur einer Sprache. Think big heißt es deshalb nicht nur bei den Start-ups, sondern auch in anderen Branchen. Alles in allem erlebte ich eine hervorragend vom Verband Druck und Medien Bayern organisierte und inspirierende Reise, auf der wir als Team das Erlebte diskutiert und weitergedacht haben. Ich bin gespannt, wohin es 2020 geht! 02/2019 // 35