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NUTZEN DIE PROFIS Der

NUTZEN DIE PROFIS Der Freischwimmer Ein Unternehmen, 100 Jahre alt, erfolgreich auf Veredelung und den Specialprint-Bereich ausgerichtet. Und trotzdem eines Tages vor dem Aus. End of Story? Mitnichten. NUTZEN sprach mit dem geschäftsführenden Gesellschafter der Salzland Druck GmbH & Co. KG darüber, wie er 2014 den Weg aus der Insolvenz gemeistert hat. FOTOS: Salzland Druck GmbH & Co. KG Wer die Druckerei Salzland in Staßfurt betritt, kommt in ein helles, modernes Gebäude. Lichtdurchfluteter Eingang, einladende Konferenzräume. Hier empfängt uns Christian Heinrich, seit 2010 geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens. Er ist erkältet, aber sonst bester Dinge. Er wird offen mit uns darüber reden, wie er das Unternehmen aus der Krise geholt hat. Herr Heinrich, Sie machen einen entspannten Eindruck. Das war nicht immer so. Das stimmt und ich freue mich sehr über die Entwicklung, die das gesamte Mitarbeiterteam der Salzland Druck aktiv mitgestaltet hat. Viele hoffen, dass es irgendwie besser wird, aber das nützt meistens nichts. Im Gegenteil.“ Christian Heinrich Sie sind seit 2006 in dem Unternehmen, zunächst erfolgreich im Vertrieb. 2010 haben Sie die Geschäftsführung übernommen. War da noch alles in Ordnung oder gab es bereits Anzeichen für wirtschaftliche Schwierigkeiten? Ziemlich in Ordnung war die Auftragslage, allerdings lag sie aufgrund der Wirtschaftskrise 2009 nicht auf dem Niveau, das wir geplant hatten. Nicht in Ordnung waren unsere finanziellen Verpflichtungen. Große Investitionen in Technik und die entsprechenden Verbindlichkeiten schnürten uns zunehmend die Luft zum Atmen ab. So eine beklemmende Situation kennen viele – und es gibt nicht „den“ Königsweg heraus, leider. Wie sind Sie vorgegangen? Nach mehreren vergeblichen Bemühungen, die Situation durch Verhandlungen signifikant zu verbessern, blieb uns leider nur der Weg, gemeinsam mit unserer Hausbank das Thema Insolvenz zu diskutieren. Also haben wir mögliche Szenarien durchgesprochen. Nach reiflicher Überlegung und unter Abwägung aller Optionen gab es nur ein umsetzbares Ergebnis: Insolvenz anmelden. Dies aber gut vorbereitet und 16 // 03/2017

NUTZEN DIE PROFIS mit einem klaren Ziel: einen fortführungsorientierten Sachwalter an unserer Seite zu haben, was uns mit Müller & Rautmann Insolvenzverwalter auch sehr gut gelungen ist. Das ist eine sehr harte Entscheidung, die viele Unternehmer scheuen. Ja, viele hoffen, dass es irgendwie besser wird, aber das nützt meistens nichts. Im Gegenteil. Wenn Lieferanten nicht mehr liefern, Kunden abspringen, dann ist es wirklich zu spät, um noch was zu retten. Was haben Sie sich von der Entscheidung erhofft? Ich wollte die Chance bekommen, das Unternehmen zu sanieren. Deshalb habe ich am 1. April 2014 einen Antrag auf Insolvenz mit dem Ziel auf Eigenverwaltung und Sanierung gestellt. Damit konnte ich während der Insolvenzphase gemeinsam mit dem Sachwalter das Unternehmen weiter selbst führen und die richtigen Weichen stellen. Ganz wichtig hierbei war auch, dass unser Sachwalter sanierungserfahren war, also nicht der Typ Abwickler. Er hat an die Leistungskraft der Firma geglaubt und mit uns an einem Strang gezogen. Wenn ein Unternehmen Insolvenz anmeldet, bleibt das nicht lange geheim. Wie haben Ihre Mitarbeiter davon erfahren? Wir waren gut vorbereitet und sehr schnell. Direkt nach dem Amtsgerichtstermin sind der Sachwalter KURZPROFIL Christian Heinrich Geb. 09.03.1973 in Magdeburg Studium: HTWK Leipzig, Dipl.-Ing. für Polygrafie Tätigkeiten: 1995–2005 Technische Leitung in mehreren Zeitungsverlagen in Deutschland 2006–2010 Vertrieb & Marketing bei Salzland Druck GmbH & Co. KG ab 2010 geschäftsführender Gesellschafter Salzland Druck GmbH & Co. KG Hobbys: Familie, Musik, Laufen & Fahrradfahren Gegründet vor mehr als 100 Jahren, ist die Salzland Druck GmbH & Co. KG heute einer der führenden Spezialdruckdienstleister in Deutschland. und ich vor die Belegschaft getreten. Ganz offen haben wir die Schwierigkeiten der Firma erklärt. Und wir haben gesagt, dass wir es gemeinsam schaffen können. Klar haben die Leute besorgt reagiert, aber es haben alle mitgezogen. Trotzdem haben wir uns wegen der Personalthemen natürlich juristisch abgestimmt mit Herrn Pohling vom Verband Mitteldeutschland. Kompliment. Und wie sind Sie mit Kunden und Lieferanten umgegangen? Auch hier ist Transparenz, Offenheit und Ehrlichkeit das Wichtigste. Nach Abstimmung mit den Schlüssellieferanten zur Sicherung der Lieferfähigkeit der Salzland Druck sind wir umgehend nach Insolvenzanmeldung zu unseren wichtigsten Kunden gereist und haben unsere Unternehmensplanung auf den Tisch gelegt. Übrigens eine sehr realistische, eher konservative. Die sind ja auch Profis und kennen Margen – wer da nicht solide plant, verliert an Glaubwürdigkeit, und das wäre in so einer Lage fatal. Gleiches gilt natürlich auch für die Geldinstitute. Letztlich ist es gelungen, mit allen Vereinbarungen zu treffen, die der Umsatz- und Ertragsfähigkeit der Firma entsprechen. So hat der gesamte Prozess nur rund ein halbes Jahr gedauert. Schon Mitte Oktober 2014 konnte in der Gläubigerversammlung über den Insolvenzplan abgestimmt werden und dann am 19. Dezember 2014 das Verfahren positiv beendet werden. Somit war für die Salzland Druck die Möglichkeit geschaffen, sich auf solider wirtschaftlicher Basis weiterzuentwickeln und sich konsequent in den Bereichen Spezialprint und Veredelung zu etablieren. Herr Heinrich, es ist eine Freude, Sie so erfolgreich zu sehen. Wir wünschen Ihnen weiterhin alles Gute. 03/2017 // 17