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TECHNIK Barrierefreie

TECHNIK Barrierefreie PDF-Dokumente Momentan sind barrierefreie PDF Dokumente für viele unbekannt und für andere ein Buch mit sieben Siegeln. Aber es gibt gute Gründe, warum sich das ändern sollte. Ein Beitrag von Klaas Posselt. Jeder der sich zum ersten Mal mit barrierefreien Dokumenten beschäftigt, ist am Anfang mit einigen klassischen Fragen beschäftigt: Was bedeutet eigentlich barrierefrei? Warum sollte man sich um dieses Thema kümmern? Wie erhält man barrierefreie Inhalte? In diesem Artikel möchte ich auf diese drei Kernfragen eingehen und ihnen so einen Überblick über die Thematik verschaffen. Was bedeutet eigentlich barrierefrei? Barrierefreiheit bezieht sich auf alle erdenklichen Lebensbereiche – eine Rampe für einen Rollstuhlfahrer ist nur ein Beispiel. In meinem Artikel möchte ich mich jedoch explizit mit Barrierefreiheit im Kontext von PDF Dokumenten beschäftigen. Barrierefreie PDFs, synonym auch als barrierearm bezeichnet, sollen Nutzern die Möglichkeit geben, einen selbstbestimmten Zugang zum Inhalt zu erlangen, unabhängig von persönlichen Einschränkungen. Das Beispiel was den meisten in den Sinn kommt, sind blinde Konsumenten, die den Inhalt nicht Im klassischen Sinne lesen können – eine Vorlesesoftware kann hier beispielsweise Abhilfe schaffen. Aber es gibt etliche weitere Einschränkungen, laut EU sind bis zu 30 Prozent der Gesamtbevölkerung in irgendeiner Form betroffen. Nimmt man dies als Grundlage, leiten sich daraus einige Anforderungen an Dokumente ab. Ein gescanntes Dokument liegt beispielsweise erst einmal nur als Bild vor. Personen die Einschränkungen beim Sehvermögen aufweisen, könnten damit aber nichts anfangen. Text muss also auch wirklich in Textform vorliegen. Wenn ein echtes Bild vorliegt, liegt grundsätzlich dasselbe Problem vor. Hier bedient man sich den Bildinhalt beschreibender Alternativtexte, um die Information auf anderem Wege zu vermitteln. Natürlich gibt es noch viele weitere Anforderungen. Die wohl wichtigsten dabei, neben den genannten, sind Semantik (welche Bedeutung hat ein Inhalt, beispielsweise Überschrift oder Liste) und die Definition einer eindeutigen Ausgabereihenfolge. PDF ist seit der Version 1.4 (Acrobat 5) in der Lage, die notwendigen Anforderungen in der Datei abzubilden – der Begriff dazu lautet Tagged PDF. Technisch steht also einem barrierefreien PDF Dokument seit langem nichts mehr im Wege. Seit 2012 gibt es sogar einen eigenen DIN/ISO Standard: PDF/UA (UA = Universal Accesibility). Der Autor dieses Beitrags, Klaas Posselt, arbeitet seit über zehn Jahren in den Bereichen Medientechnik und Publishing. Mit seinem Unternehmen einmanncombo bringt er viel Wissen in Produktionsprozesse ein und setzt effiziente Workflows um, egal ob InDesign, PDFs oder E-Books. Klaas Posselt leitet außerdem die InDesign User Group Berlin. Warum sollte man sich um Barrierefreiheit kümmern? Die leider aktuell wirkungsvollste Methode barrierefreie PDF-Dokumente zu erhalten, sind die vorhandenen gesetzlichen Regelungen. In Deutschland gilt hier maßgeblich die BITV 2.0. Diese Vorgaben betreffen auch PDF-Dokumente, die auf Webseiten veröffentlicht werden. Aktuell gilt diese Regelung verpflichtend für Bundes- und Landesbehörden, zukünftig jedoch auch für weitere Stellen (siehe EU-Richtlinie 2016/2102 & European Accessibility Act). Neben diesem Zwang gibt es jedoch in meinen Augen weitaus wichtige Gründe, warum man barrierefrei publizieren sollte – und das sogar unabhängig von PDF. Denn aus wirtschaftlicher Sicht können barrierefreie Inhalte zu erheblichen finanziellen Vorteilen führen, nicht wie oft verbreitet nur Geld kosten. Neben einer XIV // 03/2018

größeren Kundengruppe, die sich über solche barrierefreie Inhalte erschließen lassen, sind derart aufbereitete Inhalte suchmaschinenoptimiert und können nahezu beliebig weiterverwendet werden. Auf Basis meiner Erfahrung behaupte ich sogar: Wenn man das Thema richtig angeht, sind barrierefreie Inhalte unter dem Strich sogar günstiger in der Erstellung. Wie kommt man zu barrierefreien PDF-Dokumenten? Hier möchte ich Ihnen, entgegen vielerlei im Umlauf befindlichen Informationen, am Anfang erst mal die Angst nehmen: Ein sehr großer Teil von Dokumenten kann mit überschaubarem Aufwand durch jede Person barrierefrei gemacht werden. Bemüht man eine Suchmaschine, wie man zu einem barrierefreien PDF-Dokument kommt, findet man allerlei Einträge. Die meisten davon sind Anleitungen, über mithilfe von Acrobat ein PDF barrierefrei macht. Ein recht umständlicher Weg und in meinen Augen wenig nachhaltig und zukunftsorientiert. Denn bei jeder Korrektur im ursprünglichen Dokument, muss der komplette Aufwand von vorne betrieben werden. Ich präferierte daher den Ansatz, bereits aus dem Ursprungsprogramm, egal ob InDesign, Word oder ein anderes Programm, ein barrierefreies PDF auszugeben. Geht man dies systematisch an und richtet einmal eine passende Dokumentenvorlage ein, ist man fast ohne jeglichen Mehraufwand schon am Ziel. Nicht verhehlen möchte ich: Nicht jedes Dokument lässt sich mit einem Klick barrierefrei machen. Oft ist die Art der Dokumentenaufbereitung, aber auch die Beschaffenheit der Inhalte für eine problemfreie Ausgabe hinderlich. Hinzu kommt, dass viele der gängigen eingesetzten Programme noch nicht alles perfekt hinbekommen. Setzt man sehr früh in der Prozesskette an, bevor eine Publikation gesetzt wird, und nimmt Barrierefreiheit als eines der Zielkriterien auf, so lassen sich viele Probleme vermeiden. Fazit & Ausblick Barrierefreie PDF-Dokumente sind keine Hexerei! Mit ein wenig Willen, Grundwissen und Vorarbeit machen sich barrierefreie Publikationsprozesse am Ende als Mehrwert in vielen Bereichen bemerkbar. Auch die Zukunft des Publizierens wird massiv von den zugrunde liegenden Techniken und Methoden profitieren. Der 2017 veröffentlichte PDF Standard 2.0 jetzt verstärkt auf strukturierte Inhalte und bietet damit noch mehr Möglichkeiten. Aktuell beschäftigen sich beispielsweise schon erste Hersteller mit so genanntem responsivem PDF, welches sich, ähnlich wie auf Webseiten, dynamisch an den Bildschirm anpassen kann. Die Basis dafür sind, natürlich, barrierefreie PDF-Dokumente. //Hinweis Ein umfassendes Werk zum Thema wird mit dem Titel „Barrierefreie PDF-Dokumente erstellen – Das Praxishandbuch für den Arbeitsalltag. Mit Beispielen zur Umsetzung in InDesign und Office“ voraussichtlich im Dezember 2018 für EUR 36,90 im dpunkt-Verlag erscheinen. Die Vorbestellung ist bereits online möglich. Das Buch richtet sich an Mitarbeiter in Behörden, Satzbetrieben, Agenturen, Setzer und Hersteller sowie an Studierende und Auszubildende. Weitere Informationen finden Sie unter www.dpunkt.de. Das Fachbuch zum Thema ist ab Dezember 2018 beim dpunkt-Verlag erhältlich. Unser vdmno-Tipp für Sie: Besuchen Sie am Dienstag, den 16.10.2018 auch unseren Workshop „Barrierefreie PDFs mit InDesign“ mit Klaas Posselt in Hannover! Sie finden alle Informationen dazu im Veranstaltungsbereich auf unserer Website unter vdmno.de 03/2018 // XV