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NUTZEN DER NUTZEN Keine

NUTZEN DER NUTZEN Keine Angst vor schwierigen Produktionen Tätigkeitsbericht mit Farbeimer-Henkel, Malerkrepp statt Buchbinderleinen und Farbklecksen auf der Titelseite. Damit zeigt die GEWOBA AG, Bremens größtes Wohnungsunternehmen, dass sie auch vom Malerhandwerk etwas versteht. Es ist spät geworden. Niclas Stürken räumt den Besprechungsraum auf. Kaffeebecher, Colaflaschen, Pizzakartons – wie immer, wenn die Kreativen da waren. Und dabei ging es eigentlich nur um einen Geschäftsbericht für ein Wohnungsunternehmen. Routine, hatte Stürken nach dem Anruf der Agentur gedacht und voll danebengelegen. Bereits das Briefing las sich spannender als sonst: Das gestalterische Leitthema des Berichts sollte sichtbar und fühlbar das Malerhandwerk präsentieren, denn das steht am Schluss eines jeden Neubauprojektes. Gleich mitgeliefert wurden kreative Wünsche: „Der Buchblock soll mit Kreppband gefälzelt werden, Lackeffekte haben und es sollen speziell passende Papiere zum Einsatz kommen.“ Kein Standard, aber auch kein Hexenwerk, dachte Stürken, bis auf die Sache mit dem Kreppband vielleicht. Dann las er weiter: „Wir möchten, dass der Bericht einen echten Henkel hat – wie ein Farbeimer.“ Das klang dann doch recht durchgedreht. Deshalb das lange Meeting. Solche Ideen bespricht man nicht zwischen Tür und Angel. Und ein „Nein“ von vornherein gibt’s bei Stürken Albrecht grundsätzlich nicht. Stürken besprach sich nach dem Meeting mit seinem Team und die Entscheidung hieß: Wir machen es. Gedruckt wurden die 76 Seiten des Innenteils 4-farbig plus Glanzlack. Auf neun Seiten wurden die Bilder zusätzlich mit extradickem UV-Relief-Glanzlack überzogen. Sie wirken dadurch wie mit einem groben Lackpinsel gemalt. Der Innenteil wurde für höchste Haltbarkeit fadengeheftet. 28 // 04/2018

NUTZEN DER NUTZEN Kreppband statt Buchbinderleinen Statt jedoch – wie üblich beim Fälzeln – Buchbinderleinen auf den Buchblockrücken zu kleben, kam da der Malerkrepp drauf. Knifflige Sache, denn Kreppband ist sehr flexibel und es sollte nicht geschnitten, sondern leicht gerissen werden. Den stabilen Umschlag des Berichts druckte Stürken auf Paperbord und bezog ihn außen mit einer Softtouchfolie. Dadurch ist der Bericht angenehm weich im Griff. Im Gestaltungsentwurf war zudem vorgesehen, dass weiße Farbe vom Rücken der Broschur auf die Titelseite laufen sollte. Um diesen „Kleckereffekt“ zu erzielen, wurde milchig-weißer UV-Relieflack in zwei Schichten mit unterschiedlicher Struktur aufgetragen. Und wenn Du denkst es geht nicht mehr … Schließlich galt es, Inhaltsblock, Umschlag und den gewünschten Eimerhenkel miteinander zu verbinden. eine weitere Runde Handarbeit. Der Clou: Als Halterung für den Henkel wurde eine separat gedruckte und gestanzte Mechanik in den Umschlag geklebt und der Buchblock passgenau davorgesetzt. Als Sahnehäubchen knoteten die Mitarbeiter dann noch kleine Farbschnipsel „mit freundlichen Grüßen“ an den Henkel und schon war der erste Bericht fertig. Das Ganze wurde dann „nur“ noch 799 Mal wiederholt und die Auflage war komplett. Pünktlich und im Rahmen des Budgets. „Natürlich produzieren wir auch weniger spektakuläre Produkte“, räumt Niclas Stürken ein. „Aber es gehörte schon immer zu unserer Kultur, dass wir uns grenzüberschreitenden, eigentlich unmöglichen Kundenanforderungen stellen. Das macht den Job ja so einmalig schön.“ Von Anfang an anders Mit zwei Buchdruckmaschinen in den Schweineställen von Johann Stürken gründeten Stürken (Steuerrevisor und Landwirt) und Lüer Jacobs (Buchdrucker) 1949 die Firma Stürken & Co. 1950 trennten die beiden sich, Stürken führte die Firma alleine weiter. In den 70ern traten die Stürken-Söhne Günther und Manfred in das Unternehmen ein, Mitte der 90er kam Niclas Stürken dazu. 2010, nach dem Zusammenschluss mit der C. Albrecht Druckerei aus Bremen, zog das neue Unternehmen als Stürken Albrecht Druckgesellschaft in einen alten Hafenschuppen der Bremer Überseestadt. FOTOS: STÜRKEN ALBRECHT GMBH & CO. UV-Relief-Glanzlack lässt die Buchstaben wie grob gepinselt wirken. Milchig-weißer UV-Relieflack in zwei Schichten erzeugt den Kleckereffekt. Ein Geschäftsbericht, der mal ganz anders daherkommt. 04/2018 // 29