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Schauen Sie ins Heft und finden Sie Ihren persönlichen vdmno-NUTZEN. In unserem Regionalteil präsentieren wir Ihnen diesmal neben Informationen über unsere Aktivitäten auch Veranstaltungen, Unternehmen und Semi­naren aus der ­Region. Eben alles, was bei uns im NordOsten so passiert.

NUTZEN FACHKRÄFTE Von

NUTZEN FACHKRÄFTE Von Damaskus nach Hamburg Im August 2016 begann Joud Alsalhani seine Ausbildung zum Medientechnologen Druck bei eurodruck Hamburg. Der junge Syrer hatte damals in einem einmonatigen Praktikum so überzeugt, dass Geschäftsführer Olaf Kern ihn spontan als Auszubildenden einstellte. NUTZEN fragt nach, wie die deutsch-syrische Erfolgsgeschichte seitdem weitergegangen ist. Offsetdrucker Joud Alsalhani und Geschäftsführer Olaf Kern. Der Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt lief für Joud Alsalhani vergleichsweise reibungslos: Nach einem durch die Arbeitsagentur vermittelten Praktikum bei eurodruck bot Geschäftsführer Olaf Kern ihm direkt einen Ausbildungsplatz an. „Und das, obwohl sie bereits einen Auszubildenden hatten. Darüber habe ich mich sehr gefreut“, erzählt Alsalhani. Der Weg nach Hamburg war weitaus schwieriger. Der junge Syrer kam alleine nach Deutschland. „Meine Familie hat Angst und wünscht sich eine sichere Zukunft für mich. In Syrien gibt es keine Sicherheit. Darum bin ich hier“, so Alsalhani. Erst reiste er nach Jordanien, dann über weitere Länder bis nach Deutschland. Gut 20 Tage war er unterwegs, bis er in Hamburg in einer Flüchtlingsunterkunft landete. Den ersten Deutschkurs hatte er bereits dort. „Die ersten Wochen waren schwer. Aber manchmal auch lustig. Im Kurs musste ich etwas vorlesen oder mich unterhalten. Ich habe einfach Ja gesagt, wenn ich die Frage nicht verstanden habe. Man versteht nur ,Bahnhof‘ am Anfang“, berichtet Alsalhani. Heute ist die deutsche Sprache für ihn schon längst kein Problem mehr. In den ersten Ausbildungswochen musste der Medientechnologe seine Kollegen darum bitten, langsamer zu sprechen. „Im Untericht haben alle langsam gesprochen, im Unternehmen war ich überrascht, wie schnell die Kollegen reden“, erzählt er. Und der Geschäftsführer ergänzt: „Die Zeiten, in denen verstärkt Rücksicht genommen wurde, waren aber schnell vorbei, denn Joud hat sehr bald alles verstanden und lernt außerdem wesentlich schneller als manch anderer.“ Also war es eine ganz normale Ausbildung? „Ja. Er ist natürlich älter als andere Auszubildende und brachte bereits sehr 24 // 04/2019

NUTZEN FACHKRÄFTE gute Vorkenntnisse mit. Man merkte, dass er sein Ziel fest im Blick hat“, sagt Kern. Alsalhani entpuppte sich schnell als echte Hilfe: In Syrien hatte der Medientechnologe bereits eine Druck-Ausbildung abgeschlossen – eine einjährige theoretische Ausbildung nach dem Abitur. Die Praxis erlernt man dort direkt im Betrieb, „learning by doing“. „Im Betrieb war ich dann überrascht, denn es gibt deutlich mehr Schwierigkeiten und Unregelmäßigkeiten als im theoretischen Unterricht“, erzählt Alsalhani schmunzelnd. Für das eurodruck-Team spielt es keine Rolle, woher ein Auszubildender kommt. Offenheit gegenüber Kollegen unterschiedlicher Herkunft ebenso wie gegenüber neuen Geschäftsmodellen ist ein fester Bestandteil der Unternehmensphilosophie. Nur so funktioniert der Zusammenschluss mehrerer Unternehmen zur Printarena Hamburg. Unterschiedliche Druck- und Mediendienstleister bündeln hier ihre Kompetenzen und treten gemeinsam erfolgreich am Markt auf – eurodruck ist als vollstufiger Druckbetrieb ein Teil davon. Joud Alsalhani, Teil der Printarena. Schon Anfang 2017 war Olaf Kern sich sicher, dass Alsalhani die Ausbildung erfolgreich beenden wird. Mit dieser Überzeugung lag er richtig: Im Mai 2019 hat der jetzige Medientechnologe seine Ausbildung mit guten Ergebnissen abgeschlossen und ist seitdem als Offsetdrucker im Unternehmen beschäftigt. „Über die Ausbildungszeit kann ich rückblickend nur Gutes berichten – nur mit den Behörden war es manchmal etwas anstrengend. Mit Joud haben wir einen engagierten Mitarbeiter gewonnen, der das Unternehmen mit nach vorne bringt. Jetzt ist er ein topausgebildeter Drucker, der mehrere Sprachen spricht – so eine Fachkraft kann man immer gebrauchen!“, lautet das positive Resümee des Unternehmers. Und auch der junge Syrer hat sich bereits ein neues Ziel gesetzt: Die Weiterbildung zum Industriemeister soll der nächste Schritt der deutsch-syrischen Erfolgsgeschichte sein. Einen topausgebildeten Drucker, der mehrere Sprachen spricht, kann man immer gebrauchen.“ Olaf Kern, Geschäftsführer eurodruck Gebündelte Kompetenz im Drucksaal. BILDER: EURODRUCK (PORTRAIT) UND GWENDOLYN PAUL 04/2019 // 25

NUTZEN

Nutzen 4-2019 vdmno

Aus- und Weiterbildung im NordOsten (bkdmno)

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