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Schauen Sie ins Heft und finden Sie Ihren persönlichen vdmno-NUTZEN. In unserem Regionalteil präsentieren wir Ihnen diesmal neben Informationen über unsere Aktivitäten auch Veranstaltungen, Unternehmen und Semi­naren aus der ­Region. Eben alles, was bei uns im NordOsten so passiert.

NUTZEN DRUCK AUF BERLIN

NUTZEN DRUCK AUF BERLIN UND BRÜSSEL US-Strafzölle richten sich auch gegen die deutsche Druckindustrie BILD: CYBRAIN-ISTOCKPHOTO.COM Am 2. Oktober 2019 verkündete die Welthandelsorganisation (WTO) ihren Schiedsspruch in einem langjährigen amerikanisch-europäischen Streitverfahren. Die WTO befand die EU und einige ihrer Mitgliedsstaaten für schuldig, den Flugzeugbauer Airbus jahrelang illegal subventioniert und so gegen das WTO-Übereinkommen über Subventionen und Ausgleichsmaßnahmen verstoßen zu haben. Der Schiedsspruch berechtigt die USA, tarifäre Gegenmaßnahmen in Höhe von rund 7,5 Milliarden Euro zu ergreifen. So veröffentlichte das Amt des Handelsbeauftragten der USA eine Liste mit diversen europäischen Erzeugnissen, auf die ab dem 18. Oktober Strafzölle in Höhe von 25 Prozent erhoben werden sollen. Im Fokus der Vergeltungszölle stehen die vier in das Streitverfahren direkt involvierten Staaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien. Neben zahlreichen landwirtschaftlichen Erzeugnissen, Industriegütern und Konsumgütern befinden sich auf der Liste auch Druckerzeugnisse aus Deutschland und Großbritannien: verglasbare Abziehbilder und Transferdrucke sowie ungebundene Bücher und Broschüren. Trotz des hohen Zollsatzes von 25 Prozent dürften sich die direkten Auswirkungen auf die deutsche Druckindustrie in Grenzen halten. Einerseits weist die deutsche Druckindustrie eine Exportquote von lediglich 13,4 Prozent auf, sodass der Inlandsumsatz eine wesentlich größere wirtschaftliche Bedeutung besitzt als der Auslandsumsatz. Andererseits ist die direkte außenwirtschaftliche Relevanz der USA für die deutsche Druckindustrie nicht außergewöhnlich hoch. Zwar gehört der US-Markt zu den zehn wichtigsten Absatzmärkten, doch die Ausfuhren in die Vereinigten Staaten machten im Jahr 2018 nur 3,6 Prozent der gesamten Exporte der deutschen Druckindustrie aus. Damit rangierten die USA auf Platz neun der zehn wichtigsten Exportzielländer. Das Exportvolumen betrug 2018 knapp 160 Millionen Euro. Bücher und Broschüren (in losen Bogen und Blättern) repräsentieren die wichtigsten von den Zöllen betroffenen Ausfuhrgüter der deutschen Druckindustrie. Im Jahr 2018 wurden ungebundene Bücher und Broschüren im Wert von rund 135 Millionen Euro exportiert, wovon jedoch nur rund 4,3 Millionen Euro auf die USA entfielen. Das entspricht einem Anteil von nur 3,2 Prozent am Gesamtexport dieser Druckprodukte. Zwar sind Bücher und Broschüren mit einem Anteil von rund 35 Prozent das zweitwichtigste Exportgut der deutschen Druckindustrie. Allerdings entfällt ein marginaler Exportanteil von lediglich 3,0 Prozent auf ungebundene Bücher und Broschüren. Ihre Gesamtbedeutung für den Außenhandel der deutschen Druckindustrie ist somit nicht sonderlich groß. Ähnlich verhält es sich mit den verglasbaren Abziehbildern und Transferdrucken. Die Exporte dieser Erzeugnisse in die USA betrugen im Jahr 2018 rund 57.000 Euro, was einem Anteil von 2,0 Prozent an den Gesamtexporten dieser Produkte entsprach. Zudem haben verglasbare Abziehbilder und Transferdrucke nur eine geringe Bedeutung für den Export, da sie lediglich 0,06 Prozent der Ausfuhren der deutschen Druckindustrie ausmachen. Während die direkte Belastung durch Strafzölle nicht allzu groß sein dürfte, könnten die indirekten oder statistisch nicht direkt erfassbaren negativen Auswirkungen auf die Druckindustrie relevant sein: Ein überwiegender Anteil der Produkte, die von den US-Zöllen betroffen sein werden, wird mit bedruckten Etiketten und Verpackungen exportiert. Somit dürften die Strafzölle auf diese Produkte der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie auch die deutsche Verpackungs- und Etikettendruckunternehmen negativ beeinträchtigen. 32 // 04/2019

NUTZEN DRUCK AUF BERLIN UND BRÜSSEL Grundsätzlich stehen den kurzfristigen Zolleinnahmen durch protektionistische Maßnahmen langfristige Wohlstandsverluste auf beiden Seite des Atlantiks gegenüber. Der bedeutende bilaterale Handel wird geschwächt werden und Produzenten wie auch Konsumenten werden Schaden nehmen. Einerseits dürften sich die Verbraucherpreise für die betroffenen Produkte erhöhen, sodass die Gefahr einer Abschwächung des privaten Konsums in den USA besteht. Andererseits bedrohen derartige Handelshemmnisse auch die globalen Lieferketten und internationalen Geschäftsmodelle von transnational agierenden Unternehmen. Diese könnten aufgrund der Handelsbeschränkungen zurückhaltender investieren. Da wichtige nationale und internationale Wirtschaftsforschungsinstitute und Organisationen für dieses und das kommende Jahr die schwächsten weltweiten Wirtschaftswachstumsraten seit dem Ausbruch der letzten Finanzkrise prognostizieren, sollten Vergeltungszölle, auch rechtlich legitime, vermieden werden, um weitere Handelskonflikte zu vermeiden und zu verhindern, dass die länderübergreifenden Rückgänge der Industrieproduktion verstärkt werden. Der Bundesverband Druck und Medien vertritt die Auffassung, dass insbesondere Bücher – ganz gleich in welcher Form − als ein hohes kulturelles Gut anzusehen sind. Als solches leisten sie einen wertvollen Beitrag für den interkulturellen Austausch zwischen den USA und Deutschland und sollten daher nicht von tarifären Handelshemmnissen betroffen sein. Zudem unterstützt der bvdm die Bemühung der Europäischen Union, eine einvernehmliche Lösung dieses Konflikts zu finden. Der Verband arbeitet daher eng mit Intergraf zusammen, dem europäischen Dachverband der Druckindustrie. Intergraf selbst hat die Generaldirektion der zuständigen EU-Kommission bereits kontaktiert und ihr ein Positionspapier zukommen lassen. EXPORTVOLUMEN DER VON DEN STRAFZÖLLEN BETROFFENEN PRODUKTE Produktart Verglasbare Abziehbilder und Transferdrucke Bücher und Broschüren (in losen Bogen und Blättern) Gesamte Exporte in € Exporte in die USA in € Anteil der Exporte in die USA in % 2.816.000 57.000 2,0 14.250 Voraussichtlicher Zollbetrag in €* 135.170.000 4.275.000 3,2 1.068.750 Summe gesamt 137.986.000 4.332.000 3,1 1.083.000 *Der berechnete Zollbetrag ist ein Höchstbetrag, welcher unter der Voraussetzung ermittelt wurde, dass der Zollsatz in Höhe von 25 Prozent auf alle angegebenen Produkte in voller Höhe erhoben wird. Berichtskreis: EU-Handel: ab 500.000 Euro beim Export und ab 800.000 Euro beim Import, Handel mit Drittländern: alle anfallenden Zollmeldungen; Quelle: Statistisches Bundesamt, Datenstand: 07.10.2019; Berechnungen: bvdm. 04/2019 // 33

NUTZEN

NUTZEN 03/2020 Ausgabe NordOst
Nutzen 02/2020 Ausgabe NordOst
Nutzen 01/2020 Ausgabe NordOst
Nutzen 4-2019 vdmno